Freitag, 18. Dezember 2015

Die Zukunft des Wortes "Polen-Versteher"

Angesichts dessen, was gerade in Polen unter der neuen nationalkonservativen Regierung passiert, wage ich mal eine Prophezeiung: Wir werden in den nächsten ein bis zwei Jahren ziemlich viele Artikel zu lesen bekommen, in denen uns nach jedem neuen halbfaschistischen monomanischen Irsinn, den sich Kaczynski & Co erlauben, erklärt wird, dass das alles nichts mit dem wahren Polen zu habe. Das Strickmuster kennt man von der "Islamismus hat nichts mit dem Islam zu tun"-Debatte. Und irgendwann, je länger der Spuk dauert, wird sich für die Autoren dieses verharmlosenden Genres völlig zurecht das gehässige Schlagwort "Polen-Versteher "einbürgern.

Damit wir uns recht verstehen: Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als dass diese Optimisten recht behalten. Ich habe seit dem Zusammenbruch des Sozialismus mit zunehmender Bewunderung auf die Polen geschaut und sie um die Härte, den Fleiß und die Disziplin beneidet, mit denen sie die Transformation bewältigt haben. Von ihnen hätte am allerwenigsten unter allen osteuropäischen Völkern erwartet, dass sie je zu einer antiwestlichen Position zurückkehren.

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