Freitag, 18. Dezember 2015

Die kleinste Großoffensive aller Zeiten

Ich lese gerade in meinem eigenen Medium, dass der IS eine "Großoffensive" im Nordirak gestartet habe und dass die kurdischen Peschmerga diese abgewehrt hätten. Im Artikel steht dann: "Die Großoffensive starteten etwa 300 schwer bewaffnete Kämpfer der Terrormiliz IS von Mossul aus, der zweitgrößten Stadt im Irak." 170 von ihnen sollen von den Kurden getötet worden sein.

300 bzw. 170! Soviele sind in Waterloo schon auf dem Klo vom Blitz getroffen worden, bevor es überhaupt los ging. Allmählich glaube ich, Steven Pinker könnte recht haben. Der behauptet ja in seinem Buch "Gewalt", dass - trotz unsere gegenteiligen Wahrnehmung in der Moderne wesentlich weniger Menschen Opfer von Krieg und Gewalt werden als in der Vergangenheit. Und es stimmt vermutlich – zumindest prozentual auf die früher viel niedrigeres Gesamtbevölkerung umgerechnet: Dschingis Khan und Timur Lenk waren möglicherweise noch schlimmere Völkermörder als Adolf Hitler.

Ein anderes Beispiel dafür, wie empfindlich wir heute auf relativ niedrige Todeszahlen reagieren: Für den Westfeldzug 1940, der als glanzvollster Blitzkrieg gilt, bei dem Frankreich quasi im Hui überrollte wurde, geht man von 49.000 Toten und 18.000 Vermissten allein auf der deutschen Siegerseite aus. Heute würde keine deutsche Regierung einen Krieg mit 70.000 Todesopfern politisch überleben.

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