Donnerstag, 22. November 2012

Republikanische Konvertiten

Viel war in letzter Zeit über Deutsche zu lesen, die zum Salafismus konvertiert sind. Am US-Wahlabend möchte ich kurz auf das Phänomen republikanischer Konvertiten in Deutschland, die mit den erstgenannten  einiges gemeinsam haben, zu sprechen kommen.

Beide haben sich einer raumfremden Weltanschauung verschrieben, die außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat doch immer ein bisschen wie Kasperletheater wirkt. Deutsche, die bei Facebook Mitt-Romney-Sticker als Profilbilder wählen, wirken auf mich genauso lächerlich wie rothaarige Teutonen im islamisch frommen Look mit Strickmütze und Fundamentalistenbart.

Der US-Republikanismus und der Salafismus finden ihre Konvertiten auch in den gleichen Zielgruppen. Überwiegend sind es Männer, die vom deutschen demokratischen Parteiensystem angewidert sind. Im Grunde sind ihnen Deutschland und seine Politiker einfach nicht genug macho. Sie sehnen sich nach etwas Härterem und Geradlinigerem. Sie schätzen bei Führern Prinzipienstrenge gepaart mit männlicher Entschlusskraft und der Bereitschaft, notfalls Gewalt auszuüben.

Beide Typen wären undenkbar gewesen, als es noch kein Internet gab. So wie der Salafist sich dort mühelos mit einem Imam in Kairo oder dem Jemen vernetzen kann, lässt sich der deutsche Republikaner auf Fox oder Townhall.com einnorden.

Beide Gruppen hadern mit den Mainstreammedien, in denen ihre Weltanschauung und ihre Führer grundsätzlich falsch und tendenziös dargestellt werden. Andererseits haben sie sich ja gerade für diese Ideologien entschieden, weil sie weit von der deutschen Mitte entfernt sind. Es geht auch sehr um Distinktionsgewinn. Man will was Exquisites, mit dem man sich absetzen kann von den Laschen und Lauen.

Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings, dass die US-Republikaner in Deutschland nicht missionieren. Wieso auch? Hier kann sie ja eh niemand wählen. Dagegen hat der Islam ja grundsätzlich den universalistischen Anspruch, die ganze Welt zu bekehren. Ein deutscher Republikaner ist tendenziell also noch ein bisschen absurder als ein deutscher Salafist.

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