Montag, 22. Oktober 2012

Comics sind eben was für Intellektuelle

Das Experiment mit der Comic-"BZ am Sonntag" gestern scheint am Kiosk nicht richtig gut gelaufen zu sein. Mein Spätkaufmann in der Senefelderstraße machte sich nur drüber lustig und berichtete, er habe genau eine (!) Zeitung verkauft. Die meisten Leute könnten die handgeletterten Spechblasen gar nicht lesen. Das geht mir übrigens manchmal genau so, obwohl Handlettering natürlich State of the Art ist.

Das hartnäckige Missverständnis, das sich bis heute hält, ist ja, dass Comics etwas für einfache Gemüter sind. Das mag vor Jahrzehnten mal gestimmt haben, als das Medium Comic auf dem Höhepunkt seiner Popularität war. In Wirklichkeit sind gezeichnete Geschichten, die nicht Mangas sind, heutzutage doch ein Orchideenhobby von Intellektuellen. Und wie der Spätkauf-Mann hinzufügte "Leute, die BZ lesen sind ja meist solche, die nicht viel im Kopp haben."

Das Phänomen habe ich übrigens schon während meiner Zeit als BZ-Redakteur in den Neunzigern beobachtet: Boulevardzeitungen werden am meisten verachtet von denjenigen, die sie lesen (oder verkaufen).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen