Freitag, 8. Juni 2012

Die Mauer muss weg

Die Berlin Biennale hat angekündigt, die so genannte "Peace Wall", die seit einigen Wochen die Friedrichstraße südlich das Checkpoint Charlie absperrt, werde früher als geplant abgebaut. Nämlich bereits am 15. Juni. Die Künstlerin Nada Prlja habe ihre Zustimmung dazu erteilt, nachdem das Kunstwerk zuletzt immer wieder gewalttätigen Angriffen ausgesetzt war. Mit dem Ding (hier ein Bild) wollte Nada Prlja auf die zunehmende Kluft zwischen dem armen südlichen Teil der Straße (mit Multikulti und Sozialbauten) und dem reichen nördlichen Abschnitt (mit Luxuskaufäusern usw.) aufmerksam machen.

Mein Kollege Ulf Poschardt hat bereits vorige Woche darauf hingewiesen, dass es nichts Peinlicheres gibt, als wenn die vom Kapital gehätschelte Gegenwartskunst sich antikapitalistisch gebärdet. Auch ich hatte mich vor langer Zeit schon mal dazu anlässlich eines kapitalismuskritischen Kunstwerks des Kollektivs Claire Fontaine vor dem coolen teuren Restaurant Grill Royal geäußert.

Noch peinlicher als die Künstlerin selbst ist nur die Reaktion der Berlin Biennale: "Offenbar wird die Mauer als Stellvertreter jener Zustände wahrgenommen, die sie anklagt." Ja klar, es kann gar nicht daran liegen, dass die Kreuzberger Türken ein blödsinniges Kunstwerk als solches erkannt haben und dass sie keine Lust haben, sich den Heimweg von einer wohlmeinenden Domina mit einer zwölf Meter breiten und fünf Meter hohen Sperre verriegeln zu lassen. Die Äußerung erinnert an den Standardpolitikersatz am Wahlabend: "Wir haben unsere Inhalte offenbar dem Wähler nicht vermitteln können." Nie liegt es daran, dass der Wähler die Inhalte vielleicht sehr gut begriffen und abgelehnt hat. Und selbstverständlich kann der Hass auf die "Peace Wall" gar nicht darauf beruhen, dass die Bewohner der armen unteren Friedrichstraße gerne zum reichen Teil gehören wollen und die Absperrung als eine Ghettoisierung empfinden.

Kommentare:

  1. Genau so ist es. Die "Künstlerin" ist voll von einer unglaublichen Arroganz und Dumm-Frechheit. Sie interessiert sich nicht für uns. Wir sind Spielzeug- Hamster in ihrem Käfig. Sie spricht nicht einmal unsere Sprache. Sie gibt selber zu, ihre Recherchen über das "soziale Elend" aufgrund von Statistiken geführt zu haben, anstatt mit Anwohnern oder gar Gewerbetreibenden gesprochen zu haben.

    Die Begründungen sind dämlich:
    - Die bösen Kapitalisten könnten irgendwann einmal eine Mauer bauen um sich von dem Pack im Süden abzugrenzen, wenn die Gentrifizierung nicht schnell genug geht
    - In der Galileo Schule kämen bereits 6 jährige mit dem Messer zur Schule. Mag sein, daß 90% der Grundschüler ihre ethnischen Wurzeln in der Türkei oder im arabischen Raum haben - aber mit dem Messer kommen sie noch lange nicht in die Schule. Die Galileo Schule ist keine "Ghetto"schule wird vom Senat und der EU besonders gefördert - und sie haben Anti-Gewalt-Programme. Das streitet die "Künstlerin" auch gegenüber denen ab, die dafür verantwortlich zeichnen.
    - Die Künstlerin warf den frustrierten Gewerbetreibenden vor, gegen die Straßensperre durch die Mauer zu demonstrieren, gegen die zur gleichen Zeit laufende Baustelle auf der Wilhelmstraße (die das Chaos perfekt machte) jedoch nichts unternommen zu habem. (Das Tiefbauamt hat das auch noch genehmigt)
    - Andere Aussagen von ihr, die ich nicht persönlich gehört hatte bezogen sich auf die Trennung von Islam und Mehrheitsgesellschaft (welche?) und die fehlenden Chancen der Kinder der Galileo Schule (weswegen es ja auch Sinn macht,ihnen noch eine Mauer vor die Nase zu setzen)

    Überhaupt. "Künstler" leben in ihrer eigenen Welt - ganz besonders dann, wenn sie subventionierte Schoßhündchen der Politik sind.

    Unentschuldbar ist aber die Politik, die unsere Steuergelder für solch einen Unfug zur Verfügung stellt und keinerlei Nachsicht mit Anwohnern und Geschäftsleuten hat (die diese Steuern ja aufbringen) Damit ist in unserem Fall die Person des Bürgermeisters Dr. Schulz (Grüne), der diese komische Aktion letztendlich zu verantworten hat gemeint. Er versuchte sich bei einem Treffen mit aufgebrachten Bürgern herauszureden und schob alles auf Ordnungs- und Tiefbauamt - aber: er ist der Chef von allem...

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  2. http://www.facebook.com/groups/434760426548988/

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