Sonntag, 18. März 2012

Wir kaufen keine Staats-Werte

Vor einem Jahr stellten deutsche Eltern den Lehrern ihrer Kinder ein schlechtes Zeugnis aus: Sie beklagten in einer Allensbach-Umfrage, dass die Schulen bei der Vermittlung von Werten versagen. Ich fand daran eher empörend und erschreckend, dass Eltern es nötig haben, sich von den Schulen bei so etwas helfen zu lassen. Meine Kinder sollen in der Schule lesen, schreiben und rechnen lernen. Mit Werten möge man sie so weit wie möglich verschonen. Werte kann ich ihnen auch selber beibringen, und wenn meine Frau und ich das nicht schaffen, dann wird es den überforderten und heruntergekommenen Berliner Schulen erst recht nicht gelingen.

Der Hauptgrund dafür, warum ich mich vor drei Jahren so sehr publizistisch gegen den obligatorischen Ethikunterricht engagiert habe, war nicht so sehr der Widerwille gegen ehemalige Staatskundelehrerinnen und Mitglieder des Humanistischen Verbandes (das Wort Kotzbrockenauffangbecken benutze ich für diese kryptokommunistische Truppe immer wieder gern), die meine Tochter mit ihrem weltanschaulichen Rotz infizieren könnten. Es war die Anmaßung, die dahinter steckte. Der Ethik-Unterricht war ja nach der Ermordung von Hatun Sürücü eingeführt worden, um Jungs beizubringen, dass man seine Schwester nicht einfach wegen Differenzen über deren Lebenswandel erstechen darf. Weil man aber nicht zugeben wollte, dass solche Probleme eher eine kleine Gruppe betreffen, müssen jetzt alle Kinder daran teilnehmen. Auch meine Tochter, die von mir jetzt schon täglich zu Hause erklärt bekommt, dass man überhaupt niemanden erstechen darf.

Damals dachte ich mir: Wenn der Staat sich schon anmaßt, jetzt auch noch Werte vermitteln zu wollen, dann sollten Eltern und Kinder wenigstens neben den Werten die von rotgefärbten GEW-Tussis vermittelt werden auch noch andere moralische Normen zur Wahl haben. Deswegen habe ich mich für die Wahlfreiheit zwischen Ethik und Religion eingesetzt. Erfolglos.

Meine Überzeugung, dass der Staat sich so wenig wie möglich in die Erziehung von Kindern einmischen sollte, hat sich bis heute nicht geändert. Der Grund dafür ist ganz einfach: Es gibt nur einen Staat, aber es gibt viele Eltern. Selbst wenn ein paar Eltern, bei der Erziehung ihrer Kinder alles falsch machen, bleiben immer noch genug Familien übrig, in denen das meiste richtig gemacht wird. Aber wenn der Staat etwas falsch macht, versaut er alle Kinder - bis auf einige wenige Gesegnete, die unzerstörbar und moralisch widerstandskräftig sind.

Befürworter einer staatlichen Wertevermittlung trauen dem Staat anscheinend eher zu, dass er die richtigen Erziehungsmaßnahmen trifft, als den Eltern. Zumindest halten sie ein anonymes System, dessen Mängel uns täglich tausendfach vor Augen geführt werden, offenbar für genauso fähig, zu erkennen, was gut für ein Kind ist, wie die Eltern, die täglich mit diesem Kind zusammen sind und keine Statistiken und Methodendiskussionen im Auge haben, sondern ein lebendiges junge Individuum. Mir ist rätselhaft, warum man dem Staat nach einem braunen und einem roten Regime in Deutschland und nach der Zerstörung von Werten wie Anstand und Ehrlichkeit durch demokratische Politiker (Kohl hat da genauso mitwirkt wie die 68er) noch irgendeine Kompetenz auf dem Gebiet der Wertevermittlung zubilligen kann. Wer die Vermittlung von Werten durch den Staat erwartet, bereitet schon die nächste Diktatur vor.

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