Freitag, 30. März 2012

Ausbeutung ist der Download von Arbeitskraft

Welche moralische Rechtfertigung haben die heute 20- bis 35-Jährigen eigentlich für die häufig zu hörende Klage, sie müssten sich erst jahrelang in unbezahlten Praktika abstrampeln, bevor sie endlich Geld verdienen? Sie wollen doch Filmemachern und Musikern auch kein Geld für deren Arbeit bezahlen.

Kapitalistische Ausbeutung ist nichts anderes als der kostenlose Download von Arbeitskraft oder das Streaming derselben für eine möglichst niedrige Flatrate. Die ominöse "Netzgemeinde", die glaubt, Sven Regener nichts für seine Musik oder seine Bücher zu schulden, und die Anbieter von unbezahlten Praktika handeln nach der gleichen kapitalistischen Logik: Sie sehen nicht ein, warum sie Geld ausgeben sollten für etwas, das sie auch umsonst bekommen können. Beide nutzen schamlos aus, dass sich die Machtverhältnisse des Marktes durch technische und gesellschaftliche Veränderungen zu ihren Gunsten verschoben haben. Der Unterschied ist nur, dass die Kapitalisten die Ausgebeuteten nicht auch noch dauernd als altmodische Trottel verhöhnen, die den Zug der Zeit verpasst haben - so wie es die ganzen Urheberrechtsaushöhler mit allen Kreativen tun, die für ihre Arbeit entlohnt werden wollen.

Mann kann die Argumente der Netzschwätzer auch der  Generation Praktikum vorhalten: Die jungen Leute haben - ebenso wie Sven Regener & Co - einfach versäumt, ein zeitgemäßes und erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln. "Nur weil jemand Kunst macht, hat er kein Recht auf Geld dafür. Er muss die Kunst verkaufen. Er muss die Leute überzeugen, ihm Geld zu geben." antwortet der Piratenparteipolitiker Fritz Effenberger auf Regeners Tirade gegen die Musik-Diebe. Allgemeiner gesprochen: Nur weil jemand arbeitet, hat er kein Recht auf Geld dafür. Er muss die Leute überzeugen, ihm Geld dafür zu geben. Und wenn's nicht klappt: Mit Sklaverei ist die Menschheit schließlich einige Jahrtausende auch ganz gut gefahren.

1 Kommentar:

  1. Schön. Der einzige Punkt, in dem ich nicht konform gehe ist: " Der Unterschied ist nur, dass die Kapitalisten die Ausgebeuteten nicht auch noch dauernd als altmodische Trottel verhöhnen, die den Zug der Zeit verpasst haben".
    Das von neolliberalen PR-Journalisten bei Spiegel und Gruner im Auftrag der arbeitgeberfinanzierten "Initiative neue soziale Marktwirtschaft" geprägte Wort "Modernisierungsverlierer" tut genau das.

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