Sonntag, 19. Februar 2012

Das Ende des religiösen Proporzdenkens

Ich habe in meinem vorigen Blog-Eintrag deutlich gemacht, warum ich aus prinzipiellen Gründen nicht begeistert von einem Bundespräsidenten Joachim Gauck bin - ich will keine Pfarrer in politischen Ämtern. Einen Grund, die nun gefallene Entscheidung für Gauck gut zu finden, wei ich dann aber doch: Mit seiner Nominierung zum künftigen Bundespräsidenten scheint endlich das seit dem westfälischen Frieden herrschende religiöse Proporzdenken überwunden, das noch bei der Wahl Wulffs eine Rolle gespielt hatte. Denn dieser verdankte sein Amt ja vor allem der Tatsache, dass er katholisch ist. Vergessen wir nicht: Merkel wollte ursprünglich Ursula von der Leyen für das Amt, aber starke Kräfte in der Union sigalisierten ihr, dass sie keineswegs bereit wären, noch eine evangelische Frau an der Staatsspitze zu akzeptieren. Ich war damals fassungslos, dass solche Dinge im Jahre 2010 noch eine Rolle spielen. Obwohl ich selbst evangelisch bin, wäre es mir scheißegal, wenn das ganze Bundeskabinett ausschließlich aus Katholiken bestehen würde - Hauptsache, die machten gute Arbeit. Mit der Einigung der Regierungskoalition auf Gauck ist jene Regel über das Gleichgewicht der Kirchenzugehörigkeit ausgehebelt, die einer spätfeudalen Gesellschaft Frieden bescheren konnte, aber in einer modernen säkularen Demokratie nur noch lächerlich war.

1 Kommentar:

  1. Das ist aber auch der einzige Grund. Für mich ist das Kapitel Bundespräsident nun endgültig erledig, einen schlechteren Menschen (und das ist genauso gemeint, wie es da steht) hätte man kaum finden können. Von Demokratie will wohl in dem Zusammenhang ohnehin niemand mehr sprechen ...

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