Samstag, 7. Januar 2012

Gute BILD, böse BILD

Viele Freunde und Bekannte von mir, die der CDU näher stehen als ich (ich habe diese Partei erst einmal gewählt), steigern sich seit Tagen in eine Art Verfolgungswahn. Sie sehen den Bundespräsidenten als Opfer eine Medienkampagne, in deren Zentrum die BILD und ihr Chefredakteur Kai Diekmann als Fürst der Finsternis stehen. Aber es gibt offenbar gute und böse Kampagnen. Solche, die der CDU in den Kram passen. Und solche, die sich ausnahmsweise mal gegen einen konservativen Bundespräsidenten richten.

Ich fände die Entrüstung dieser Leute glaubwürdiger, wenn sie sich schon früher einmal über den Stil und Machtanmaßung der BILD-Zeitung aufgeregt hätten. Beispielsweise, als in dem Blatt gegen Willy Brandt gepöbelt wurde. Oder - wenn sie dafür nicht alt genug sind - als Diekmann vor zehn Jahren mit einem manipulativ kommentierten Foto den Eindruck zu erwecken versuchte, der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin, hätte früher auf Demos mit Eisenstangen um sich geschlagen. Oder als das Blatt Anfang der Neunzigerjahre eine aggressiv ausländerfeindliche Kampagne betrieb. Ich bezweifle auch, dass irgendwer von den jetzigen Empörern mal einem der vielen kleinen BILD-Opfer moralischen Beistand und juristische Hilfe geleistet hat.

Nein, das alles hat sie nicht gestört, solange sie glauben konnten, dass die BILD-Wölfe immer mit ihnen heulen. Als BILD und Diekmann noch fromm Kohl feierten und in Nibelungentreue zu Guttenberg standen, war den meisten meiner CDU-Freunde diese Parteilichkeit ganz recht (es gab Ausnahmen, denen Letzteres peinlich war) - kaum einer störte sich an dem Dünkel und an den rohen Methoden des Blattes. Aber damals dachten sie eben noch, dass BILD gewissermaßen ihre Zeitung wäre - das Sturmgeschütz der C-Parteien, plump, ein bisschen peinlich, aber wirkungsvoll.

Diese scheinbar in Nibelungentreue fest stehende Kameraderie ist nun unübersehbar zerbrochen. Verwundert reiben sich die Konservativen die Augen, dass einer von ihnen mal genauso hart angefasst wird, wie sonst immer nur die anderen. Und plötzlich schreien sie "Kampagne!" und erregen sich über die durch keinerlei Wählerwillen legitimierte Macht des Springerkonzerns. Vielleicht hören wir ja bald wieder den Slogan "Enteignet Springer!" - nur diesmal von rechts.

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