Dienstag, 6. Dezember 2011

Das Böse

Es möge mich bitte niemand falsch verstehen. Aber die Nachricht, dass im niedersächsischen Stolzenau ein Vater seine 13-jährige Tochter erschossen hat, macht mir noch mehr zu schaffen als die Enthüllungen über die Nazi-Morde. Denn von Nazis erwarte ich gar nichts anderes, als dass sie töten wollen. Nur die Mehrheit der Andersdenken und die Kontrolle durch die Polizei (die in diesem Falle versagt hat) hält sie davon ab, ihre Mordlust in die Tat umzusetzen. Doch mir wird immer rätselhaft bleiben, wie ein Vater nach einem "Familienstreit" sein eigenes Kind auf offener Straße töten kann. Es wird dafür einen ganzen Berg kultureller und psychologischer Erklärungen geben. Aber das rationalisiert mir eigentlich das Unfassbare der Tat schon viel zu sehr. Es ist einer von diesen Momente, in denen man dahin kommt, aus Mangel an vernünftigen Erklärungen wieder an das Wirken einer destruktiven Urgewalt in der Menschenseele zu glauben - egal ob man die nun "Satan", "das Böse" oder sonstwie nennt. Mir kommt diese scheinbar so archaische Erklärung auch viel fortschrittlicher vor als vermeintlich moderne Theorien, weil vor dem Bösen alle Menschen gleich sind. Bei allen anderen Interpretationen solcher Taten geht es doch auch immer kleines bisschen darum, sie mit der flotten Erklärung der Fremde sei "eben so", wegzubanalisieren.

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