Montag, 14. November 2011

Ein Integrationsbambi für Heino

Heino hat am vergangenen Wochenende auch in meinem Freundeskreis viel Lob dafür bekommen, dass er seinen Bambi auf Protest gegen die Verleihung an Bushido zurückgegeben hat. Ich möchte aus gegebenem Anlass daran erinnern, dass es mal eine Zeit gab, in der Heino politisch und gesellschaftlich ähnlich inakzetable Scheiße verzapft hat wie Bushido. Damals nahm er das Deutschlandlied mit allen drei Strophen auf, sang Lieder, die mehr oder weniger auf ein Halbnazi-Publikum zielten (und sich dort und beim Ganz-Nazi-Publikum bis heute großer Beliebtheit erfreuen) und ignorierte den Kulturboykott gegen das geächtete Apartheids-Regime Südafrika. All dies tat er keineswegs nur aus Geldgier und Naivität sondern er glaubte an den deutschnationalen Mist, den er da verzapfte, mindestens genauso sehr wie Bushido an seinen homophoben und frauenfeindlichen Schwachsinn glaubte - wenn er gewiss auch nie ein echter "Rechter" war, sondern ein "unpolitischer Kaufmann, der mit Melodien handelt und sich seine Kundschaft nicht immer allzu genau ansieht".  Er war mindestens so umstritten wie Bushido - nur wäre 1990, als Heino seinen "Bambi" verliehen bekam, kein ernst zu nehmender Linker auf die Idee gekommen, so eine hirnlose Kommerzveranstaltung wie die "Bambi"-Verleihung dadurch zu adeln, dass man dagegen demonstriert. Man erwartete vom Burda-Verlag gar nichts anderes, als dass er seine Preise solchen Figuren überreicht.

Irgendwann ist Heino älter und weiser geworden, hat sich mit politischen Statements zurückgehalten und der Zeitgeist hat sich seinem Konservativismus angenähert (ich auch). Das ermöglichte es jüngeren Generationen, ihn als Kultfigur ironisch zu verehren. Trotzdem hat sein Protest gegen die Bambi-Verleihung ein Geschmäckle: Ist sein Protest vielleicht doch nur Ausdruck der alten Ausländerfeindlichkeit und Volkstümelei, für die er einmal stand? Falls es anders ist und Heino mittlerweile akzeptiert hat, dass wir in einer pluralistischen und bunten Gesellschaft leben, hätte er sich damit einen Integrationsbambi verdient.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen