Dienstag, 11. Oktober 2011

Töten ist bio

Meine Tochter hat sich zum 4. Geburtstag eine Pistole gewünscht und sie auch bekommen. Der Kompromiss: Es ist Holzspielzeug. Wir haben vorher lange überlegt. Nicht so sehr wegen pädagogischer Bedenken. Sondern weil so was in Prenzlauer Berg sozial isolieren kann. Niemals habe ich einen einsameren Menschen gesehen als das einzige fette Kind mit einer Pistole auf einem Helmholtz-Spielplatz. Der arme Junge bzw. dessen Eltern hatten gleich zwei Sünden begangen, auf die hier der soziale Tod steht. Ich habe trotzdem noch versucht, meine Frau zu einer etwas realistischeren Waffe zu überreden mit dem Argument: "Töten ist doch eigentlich immer biologisch." Aber sie hat sich nicht getraut. Nun ist es mir recht. Wenn ich und meine Tochter in ein paar Jahren mit Panzern und Düsenjägern spielen dürfen, die mit hölzernen Kanonen hölzerne Granaten ("Garantiert aus nachhaltiger Waldwirtschaft!") verschießen und hölzerne Napalmkanister abwerfen, kann ich mit diesem Zugeständnis ganz gut leben.

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