Mittwoch, 19. Oktober 2011

Straßenbahnarchäologie 3, Linie 64, Wallstraße

Kurz vor Fertigstellung der Verbindung zwischen Axel-Springer-Straße und der Leipziger Straße, die künftig eine geradlinige Fahrt von Kreuzberg nach Mitte eröffnen wird, sind noch an zwei Stellen alte Straßenbahnschienen zum Vorschein gekommen, die zeigen wie eng einst das Tram-Netz in diesem hochverdichteten Innenstadtbereich war.

Bei den alten Gleisen direkt neben dem Fahrstuhl zur U2 in der Wallstraße handelt es sich wohl um Reste der Linie 64, die auch lange nach dem Mauerbau noch vom Dönhoffplatz durch die Wallstraße bis weiter nach Hohenschönhausen fuhr. Ein bisschen mehr zu dieser  Linie, die 1971 eingestellt wurde, habe ich hier geschrieben.

Reste der Linie 64 in der Wallstraße neben dem Fahrstuhl
Zu der ausgedehnten Wendeschleife der Linie 64 gehörten möglicherweise auch die Schienen, die bereits vor einigen Wochen an der Ecke Axel-Springer-Straße/ Kommandantenstraße direkt vor dem Courtyard-Hotel zum Vorschein kamen. Es könnte sich aber auch um Relikte der Linie 82 handeln, die mindestens seit 1929 vom Dönhoffplatz nach Stralau fuhr. Laut diesem Leserbrief an die Berliner Zeitung wurde sie spätestens Mitte der Sechziger Jahre eingestellt. Laut dieser Übersichtskarte fuhr sie allerdings schon zur Zeit des Mauerbaus 1961 nicht mehr bis nach Mitte.

Man muss bei all dem übrigens berücksichtigen, dass damals - vor dem Bau der DDR-Hochhäuser an der Leipziger Straße - wie dieser und dieser Stadtplan zeigen, der Straßenverlauf anders war als heute. Allerdings scheinen die Strecken in der Kommandantenstraße und der Beuthstraße schon zum 11. Januar 1956 stillgelegt worden zu sein, wie ich diesem Wikipedia-Eintrag entnehme. Der Übersichtsplan vom 13. August 1961 bestätigt das. Die Schienen in der Axel-Springer-Straße waren also seit 55 Jahren nicht mehr in Gebrauch.
Linie 64 oder 82 an der Ecke Kommandantenstaße/Axel-Springer-Straße

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