Montag, 19. September 2011

Kommt jetzt die Prinzessin-Lillifee-Partei?

Dass die Piratenpartei in Berlin so erfolgreich war, ist schon allein deshalb ein Gräuel, weil wir jetzt bis zum St. Nimmerleinstag mit dämlichen maritimen Wortspielen bombardiert werden. Diese Art von Humor hat gestern die Sphäre der Medien verlassen und ist in den Höhen der offiziellen Politik angekommen. Den Anfang machte Claudia Roth, die die Piraten "an Bord" begrüßte.

Der heimliche Spitzenkandidat Käptn Sharky
In einer Stadt, in der mehr als die Hälfte aller Männer zwischen 20 und 60 glauben, es sei akzeptabel, noch als Erwachsener mit einer Baseball-Kappe und einer Witzfigurenbrille rumzulaufen, hat die Piratenpartei ihr Wählerpotenzial noch nicht annähernd ausgeschöpft.

Sollte das Wahlalter auf 16 gesenkt werden oder gar ein Wahlrecht für Kinder kommen, könnten die Piraten sogar stärkste Partei werden. Denn in diesen Altersgruppen haben Seeräuber mittlerweile die Dinosaurier als populärste Fantasiefiguren abgelöst. Meine vierjährige Tochter war gerade erst wieder auf einer Piratenparty und wünscht sich zum eigenen Geburtstag eine Schatzkiste, eine echte Pistole und ein Schwert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Piratenparteiwähler auch am Sonntag schon dachten, Käptn Sharky oder Seeräuber Jack stünden zur Wahl.

Ich gründe im Falle einer solchen kinderfreundlichen Wahlrechtsreform sofort die Prinzessin-Lillifee-Partei. Ich erhoffe mir viele Stimmen von jungen Nichtwählerinnen, die sich gendermäßig von den Piraten nicht repräsentiert fühlen und die ihr wichtigstes politischen Anliegen (rosa Prinzesinnenkleider) in keinem Programm der Altparteien finden. Ich rechne mit ca. 10 Prozent. Seit gestern erscheint mir nichts mehr undenkbar.

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