Dienstag, 13. September 2011

Auf dem Weg in den Heavy-Metal-Staat

Ist mir etwas entgangen? Haben Heavy Metal und Hardrock irgendwann in den letzten Jahren Verfassungsrang erlangt? Früher erklangen bei offiziellen staatlichen Anlässen Märsche. Zum eher zivilen Habitus der alten Bundesrepublik passte dann besser klassische Musik. Doch jetzt scheint der Tag nicht mehr fern zu sein, an dem zum ersten Mal gefallene Soldaten nicht mehr mit Requiems und Totenmessen der großen Meister der Vergangenheit geehrt werden, sondern mit - zum Anlass passend - Death Metal.

Gel-Minister Guttenberg verdankte seinen Aufstieg zum Volkshelden ja u. a. der Tatsache, dass er sich bei Bierfesten als AC/DC-Discjockey zum Affen machte. Insofern war es absolut folgerichtig, dass er sich zum Karriereende von der Bundeswehr-Bigband einen weiteren unverwüstlichen Hardrock-Oldie wünschte, zu dem sogar ich noch geheadbangt habe - damals nannte man das aber noch schütteltanzen oder so (genau erinnere ich mich nicht mehr), und man hoffte, davon billig high zu werden.

Guttenberg war ein Außenseiter. Mehr Sorgen macht mir das allgemeine Getue um Wacken. Jedes Jahr aufs Neue führen sich Politiker und Medien so auf, als könnte man sich die deutsche Jugend gar nicht anders wünschen als die paar Zehntausend Geistesschwachen, die da auf einer Wiese in Schleswig-Holstein in  einem Gemisch aus Eigenurin und Heimaterde herumstampfen. Und immer wieder kriegen sich die Medien und die Politiker hinterher gar nicht wieder ein darüber, dass hier so viele Menschen "friedlich feierten" - als ob das nicht eine Selbstverständlichkeit sein sollte, die der Staat notfalls mit Waffengewalt durchsetzen müsste. Es gibt ein ganz bizarres Foto vom schleswig-holsteinischen Landesfettsack Harry Carstensen (CDU), der mit anderen wesentlich jüngeren Übergewichtigen in Wacken auf der Bühne steht und mit seinen Wurstfingern dieses Teufelhörnchen-Zeichen macht. Dahinter steckt wohl die gleiche Absicht, die betuchte Rentner auf Harley-Davidson-Motorräder treibt - man will den Kindern oder Enkeln signalisieren, dass man auch mal ein Rocker war und dass der junge Wilde von einst noch ganz tief drinnen irgendwo weiterlebt.

Geh kacken, Wacken!
Also ich würde so eine Brut lieber abtreiben, als mich bei ihr anzubiedern. Zwar kann ich mir kein Urteil über die Metal-Musik der letzten 20 Jahre erlauben. Denn zum letzten Mal war ich 1985 aus Liebe mit einer Frau bei Iron Maiden in Bremen - und mit der Liebe starb auch jegliches Interesse an dem Zeug. Aber mich öden nicht nur die lachhaften Frisuren und die versoffenen Fressen an. Auch dieses ewig Einerlei aus muskelbepackten gehörnten Dämonenwesen und rot zerlaufenden Splattertypograhien auf den Albumcovern und Plakaten lässt mich kotzen. Diese ganze Leder-Macho-Blut-Alkohol-Satans-Kultur, die an der Musik hängt, kommt mir unfassbar gemein und widerlich vor. Das Volksverdummung zu nennen, verbietet sich schon deshalb, weil das Wort ja voraussetzt, dass es beim zu Verdummenden vorher einen minimalen Intelligenzquotienten gab, der nun abgesenkt wird.

Übrigens war im alten Rom die Strafe "ad metalla" das entehrendste und qualvollste Todesurteil. Während diejenigen, die gekreuzigt oder den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen wurden, relativ rasch starben, gingen die, die man "zu den Metallen" - also zur Arbeit in den Minen - verurteilt hatte, langsam unter Tage zu Grunde. Das konnte Jahre dauern, wenn man Pech hatte. Man lebte ohne Licht und Hygiene unter der Erde, bis einem die Haare zum Arsch gewachsen waren, die Fingernägel vom Kauen und von der Schwerarbeit bluteten, die Haut von Geschwülsten übersäht war und der Arsch durch die stinkenden zerrissenen Klamotten lugte. Mit anderen Worten: Man wurde allmählich zu einer etwas schlankeren Version jenes Menschenschlages, der sich alljährlich in Wacken versammelt.

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