Mittwoch, 3. August 2011

Straßenbahnarchäologie 2: Linie 70, Gudvanger Straße

Reste der Linie 70 in der Gudvanger Straße
Heute bin ich wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben durch die Gudvanger Straße auf der Ostseite des Humannplatz in Prenzlauer Berg gefahren. Und habe dort zu meinen größten Entzücken die Relikte von zwei Straßenbahngleisen durch den Asphalt lugen sehen. Direkt vor der Hausnummer 12 zeigen noch Metallreste und der leicht eingefallene Straßenbelag an, dass hier einmal die Bahnen sowohl in Richtung Wiechertstraße als auch in Richtung Erich-Weinert-Straße fuhren. Auch auf Google Street View kann man die Gleis-Reste sehr gut sehen. Es handelt sich offenbar um die Straßenbahnlinie 70, die, wie man auf diesem Stadtplan von 1961 und auf diesem Netzplan vom Tag des Mauerbaus gut sehen kann, von der Stahlheimer Straße kommend weiter durch die Krügerstraße in Richtung der Kreuzung Ostseestraße/Prenzlauer Allee führte. Sie begann, das kann man dieser Übersicht entnehmen, am Kupfergraben (hier ein Foto von einem der 1997 verschrotteten letzten DDR-Straßenbahnwagen) und endete in Hohenschönhausen an der Zingster Straße. Größtenteils war die Linienführung identisch mit der heutigen Linie 12. Diese biegt allerdings nicht mehr vor dem Humannplatz rechts ab, sondern fährt die Stahlheimer Straße gerade aus weiter und mündet dann in die Wisbyer Straße ein. Die Linienführung ist offenbar schon zu DDR-Zeiten - also irgendwann zwischen 1961 und 1967 - geändert worden. Denn dieser Plan des Ost-Berliner Tagesnetzes von 1967  und dieser von 1966 legen nahe, dass die Linie 70 schon damals auf der Stahlheimer Straße geradeaus bis zur Wisbyer Straße fuhr.

1 Kommentar:

  1. Die Gleise sind mir auch aufgefallen, da sie doch sehr deutlich aus dem Asphalt lugten. Den Verlauf der Gleise kann man bis zur Ostseestraße hoch sehr gut verfolgen, denn sie wurden größtenteils entfernt und die Straße wurde mit Beton ausgegossen, so dass im Verlauf der Gleise heute Betonbelag auf der Straße zu sehen ist.

    An den Häusern auf dieser Strecke sieht man durch die Sanierung bis auf eine Ausnahme (die Schule in der Gudvanger Str.) keine Indizien mehr für eine Straßenbahn. Lediglich an dem Schulgebäute hängt noch ein einsamer Befestigungsanker für Oberleitungen.


    Mit ein wenig Recherche auf http://www.berlin-straba.de/geschichte/1960-1969.html findet man auch, dass dieser Abschnitt am 16.09.1966 stillgelegt wurde und seitdem der Verkehr über die Stahlheimer Straße läuft.

    Mit dem 2. Teil deines Textes kann ich jedoch recht wenig anfangen, weil er in den Details fehlerhaft ist.

    Zunächst einmal verkehren auch heute noch etliche "DDR"-Straßenbahnen im Berliner Linienverkehr. Es handelt sich um die Tatra-Bahnen vom Typ "KT4D mod". Diese Bahnen sind in den 90iger-jahren mit Versuchssystemen (Außentüren, Matrixanzeige, Stationsansage ...) ausgestattet und ab 1994 umfassend modernisiert und saniert worden. Dein Foto ist eines der Modelle dieser KT4D.

    Das Fahrzeug, was dort zu sehen ist, wurde tatsächlich verschrottet, es ist jedoch eines der wenigen dieses Typs. Eine Vielzahl der nicht mehr benötigten Fahrzeuge wurden nach Rumänien (Oradea, Galați und Almaty) verbracht und sind dort bis heute im Linienverkehr im Einsatz.

    Darüber hinaus zeigt das verlinkte Bild eine Linie Nummer 70, allerdings dürfte diese Aufnahme wesentlich jünger sein als die Streckenstillegung in der Krüger-/Gudvanger Str., denn der dargestellte Typ KT4D wurde in Berlin erst ab 1975 eingesetzt.

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