Sonntag, 3. Juli 2011

Straßenbahnarchäologie 1: Linie 64, Leipziger Straße

Bei den Bauarbeiten, mit denen die Einmündung der Axel-Springer-Straße (früher ein Teilstück der Lindenstraße) in die Leipziger Straße vorbereitet worden sind, kamen auch alte Straßenbahnschienen zum Vorschein. Da ich immer ganz gerührt bin, wenn irgendwo zwischen dem löchrigen Asphalt solche Reste an Stellen zum Vorschein kommen, wo man schon lange keine Straßenbahn mehr vermutet, habe ich die alten rostigen Geleise, die jetzt schon wieder beim Schrott sind, fotografiert und mal nachgeforscht, zu welcher Linie sie wohl gehörten. Es scheint sich um die ehemalige Linie 64 gehandelt zu haben, die laut dieser und dieser Karte früher am Dönhoffplatz, in der Kommandantenstraße und der Beuthstraße eine Art Wendeschleife hatte, nachdem sie noch in der Nachkriegszeit nur bis zum Molkenmarkt gefahren war. Sie bog dann in die Wallstraße ab. Das würde auch erklären, warum Schienen sowohl direkt an der Leipziger Straße als auch ein Stück in Richtung Beuthstraße zum Vorschein gekommen sind. Sie müssen dort auch schon 41 Jahre unbenutzt im Boden gelegen haben, denn laut dieser  Chronik rollte am 24. August 1970 die letzte Straßenbahn durch die Leipziger Straße. Danach sah das nun auch in Ost-Berlin dem Zeitgeist enstprechend sehr reduzierte Straßenbahnnetz so aus wie hier. Die Linie 64 fuhr von der Leipziger Straße bis nach Hohenschönhausen, wie man hier sehen kann.

Blick von der Leipziger in Richtung Beuthstraße
Wie man auf den alten Stadtplänen sehen kann, mündete die Lindenstraße/Axel-Springer-Straße auch vor dem Mauerbau nicht direkt in die Leipziger Straße ein, sondern man musste sich durch die Kommandantenstraße oder die Beuthstraße durchschlängeln.

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