Montag, 4. Juli 2011

Immer mehr "Hassverbrechen" in Kindergärten

Ein besonders absurdes Beispiel dafür, was passiert, wenn der Wunsch nach Wertevermittlung durch die Schule, politische Korrektheit und der bürokratische Wahn öffentlicher Instanzen eine Liaison eingehen, gibt es in Schottland: Dort sind in den vergangenen drei Jahren fast 2000 Kinder von ihren Schulen den Behörden gemeldet worden, weil sie so genannte "Hassverbrechen" ("Hate Crimes") begangen haben. Viele der wegen Homophobie, Rassismus oder konfessioneller Hetze angezeigten seien noch Kleinkinder, berichtet der Scotsman.

Von den1913 genannten Fällen diskrimierenden oder von Vorurteilen geleiteten Verhaltens wurden 1150 an Grundschulen gemeldet. Von den 539, die in Glasgow angezeigt wurden, fanden sogar zwei Drittel in Grundschulen statt - und in neun davon waren 1- bis 3-Jährige in Kindertagesstätten verwickelt.

Eine schottische Regierungsprecherin sagte, die Behörden seien zu solchen Meldungen durch den Equality Act aus dem Jahre 2010 verpflichtet. Das Gesetz verpflichte sie, gesellschaftlichen Ungleichbehandlungen in Schulen und Kitas aktiv entgegenzutreten. In jedem Falle seien die Eltern der Kinder über das "Verbrechen" ihrer Kinder informiert worden, manchmal sei es zu Schulverweisen gekommen. Einige wenige Male musste die Polizei geholt werden.

In der Ablehnung dieses Wahnsinns sind sich die bildungspolitische Sprecherin der konservativen Tories und diverse Bürgerrechtsgruppen einig. Der Scotsman zitiert Josie Appleton, die Sprecherin einer der Gruppen: "Kinder in einem Kindergarten haben gerade gelernt zu sprechen, also ist die Idee, dass sie rassistisch oder homophob sein könnten, durch und durch lächerlich."

In Berlin geht man bisher noch nicht so weit, Grundschulen oder Kindergärten zur Anzeige von Homophobie zu verpflichten. Man versucht, dieser Geistesverirrung vorerst noch mit Pädagogik Herr zu werden. Aber auch hier wird der geneigte Betrachter das Gefühl nicht los, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Man  traut sich wieder mal nicht, zuzugeben, dass Schwulenhass ein Problem ist, das wohl weniger bei Sprösslingen linksliberaler Prenzlauer-Berg-Familien als bei Immigrantenkindern auftritt. Deshalb sollen Berlins Grundschüler demnächst flächendeckend mit Bilderbüchern, Memoryspielen und Hör-CDs über das Thema "sexuelle Vielfalt" aufgeklärt werden. Den so genannten Medienkoffer hat die Bildungsverwaltung laut Tagesspiegel gemeinsam mit schwullesbischen Bildungsinitiativen zusammengestellt. Die Nutzung des darin enthaltenen Material soll aber keine Pflicht sein. „Wir trauen den Lehrern zu, dass sie wissen, was für ihre Schüler geeignet ist“, zitierte der Tagesspiegel Ammo Recla vom Verein "ABqueer".

Das werden viele alarmierte Eltern gern hören. Denn die BZ hatte die Falschmeldung verbreitet, in dem Medienkoffer befinde sich auch ein Pantomimenspiel, bei dem Begriffe wie "Darkroom" und "Selbstbefriedigung“ dargestellt werden können. Letztere ist zwar vielen Kindern im Grundschulalter durchaus bekannt, aber ob sie wirklich so gerne in der Schule über dieses Thema reden wolle, darf bezweifelt werden. Allerdings wurde die BZ-Ente umgehend dementiert. In einer Pressemitteilung der am Medienkoffer beteiligten Bildungsiniativen heißt es: „Die beschriebene Methode befindet sich in einer Handreichung für pädagogische Fachkräfte zum Thema ,Lesbische und schwule Lebensweisen', die die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Bildung und Forschung bereits 2006 herausgegeben hat. Diese richtet sich ausdrücklich und unmissverständlich an die Sekundarstufen I und II und nicht an Grundschulen."

Darkroom-Pantomimen sind also in Berliner Schulen erst ab Klasse Sieben normal. Hoffentlich müssen Kinder, die keine Lust haben, mitzuspielen, nicht mit einer Anzeige rechnen.

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