Dienstag, 3. Mai 2011

Darf man über den Tod von Osama grinsen?

Darf man sich als Christ über den Tod von Osama Bin Laden freuen? Ausgerechnet von einer bestimmten Sorte Mediengesocks, das sonst nicht gerade für seine christliche Grundhaltung bekannt ist, wird jetzt eine unsensible Haltung zum Tode eines Massenmörders beklagt. Aber sogar ein Mann wie Günter Beckstein, der wohl kaum zu den üblichen antiamerikanischen und islamverstehenden Verdächtigen gehört, hat sein Unbehagen über Merkels und Seehofers demonstrativ zur Schau gestellte Freude geäußert.

Ich muss gestehen, dass mich die Freudenkundgebungen von christlichen Politikern auch ein wenig irritiert haben. Aber mehr weil meinem altpreußischen Protestantismus jede lautstarke Gefühlswallung zuwider ist. Ich will keine Angela Merkel sehen, die auf der Ehrentribüne herumhüpft, wenn Deutschland ein Tor geschossen hat. Ich will sie nicht weinen sehen (DAS wird wohl zum Glück niemals passieren). Und ich will auch nicht sehen, wie sie grinsend den Tod Osamas goutiert, als würde sie gerade das erfreuliche Ergebnis einer Landtagswahl verkünden. Es wäre gut, wenn Politiker ihre Gefühle wieder häufiger verbergen würden. Ich wünsche mir die Repräsentanten dieses Staates ein bisschen roboterhafter. Im Ernst

Das Jubeln können sie anderen überlassen. Im Prinzip gilt in der modernen Gesellschaft immer noch die gleiche Arbeitsteilung wie im alten Rom. Ich bezweifle, dass Octavian (der spätere Kaiser Augustus) demonstrativ vor seinen Legionären rumgetanzt ist und die Becker-Faust gemacht hat, als ihm die Nachricht vom Tode der Kleopatra überbracht wurde. Er enthielt sich vermutlich in bester römischer Art aller emotionalen Kundgebungen. Dafür hatte er seine Dichter. Bei Horaz kann man am Beispiel der Ode auf den Tod der Kleopatra lernen, wie man wirklich stilvoll den Tod einer Erzfeindin bejubelt und ihr dennoch sogar Respekt erweist: "Jetzt lasst uns trinken, jetzo mit freiem Fuß/ Den Boden stampfen!"

Am allersympathischsten ist mir aber die Haltung von Tom Doniphon (John Wayne) in John Fords Film "Der Mann, der Liberty Valance erschoss". Nachdem er die mörderische Landplage Liberty Valance (Lee Marvin) erschossen hat, ohne ihm die geringste Chance zur Gegenwehr zu geben, sagt er zu Ransom Stoddard (James Stewart): "Cold blooded murder ... but I can live with it." Auf Deutsch klingt es fast noch besser: "Es war glatter Mord. Aber ich kann trotzdem schlafen." Und dann geht Doniphon zur Tagesordnung über und erklärt  dem sich mit christlich motivierten Zweifeln quälenden angehenden Kongressabgeordneten Stoddard, was jetzt zu tun ist.

Ein bisschen mehr vom pragmatischen Geist des Tom Doniphon wünsche ich mir auch bei unseren Politikern. Sie sollen Gutes tun - und manchmal auch das notwendige Böse. Aber sie sollen sich nicht damit brüsten oder auch nur darüber grinsen. Erst recht nicht, wenn sie es nicht mal selbst getan haben.

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