Mittwoch, 13. April 2011

Die wahren Könige von Twitter

Als die einflussreichste Person im Online-Dienst Twitter wird gemeinhin Lady Gaga angesehen, gefolgt von Justin Bieber, Britney Spears und Barack Obama. Denn die Sängerinnen bringen es in dieser Sekunde auf 9.352.883 bzw 7.439.686 Follower, der Teenie-Star auf 8.801.596 und der US-Präsident auf 7.384.808. Doch ein Autor der  Online-Ausgabe der New York Times hat jetzt Zweifel daran geäußert, ob die reine Zahl der Follower wirklich geeignet ist, etwas über den Einfluss des jeweiligen prominenten Twitter-Nutzers auszusagen. David Leonhardt zitiert in seinem Blogbeitag sogar den Twitter-Mitbegründer Evan Williams, der meint, jemand mit Millionen Followern könnte möglicherweise nur noch selten neue Nachrichten posten, während jemand, der nur Zehntausende Follower, hat ein eifriger Poster sein könnte, dessen Nachrichten obendrein häufiger von anderen weitergeleitet werden.

In Auftrag der New York Times hat die unabhängige Analyse-Firma Twitalyzer nun einen Einfluss-Index erstellt, der ein ganz anderes Bild abgibt: Der Index zählt, wie oft bestimmte Namen bei Twitter erwähnt werden - inklusive der Retweets, also der Botschaften eines Users, die von einem anderen User weitergeleitet worden sind. Dieser Einflussindex zählt nicht nur, wer auf Twitter spricht, sondern auch wie sehr jemand die Kommunikation beeinflusst.

Rafinha Bastos
Den höchsten Wert auf einer Skala von 0 bis 100 erzielen demnach Menschen, die in Deutschland eher nicht so berühmt sind: der brasilianische Comedian Rafinha Bastos (90 Indexpunkte), zu dem es keinen deutschen und noch nicht einmal einen ordentlichen englischen Wikipedia-Eintrag gibt, gefolgt von dem amerikanischen Fußballer und Reality-TV-Star Chad Ochocinco (89 Indexpunkte), dem TV-Talker Conan O'Brien (88 Punkte), dem (auch von mir gefollowten) britischen Schauspieler Stephen Fry (87 Punkte)  und dem Radiostar und "American Idol"-Moderator Ryan Seacrest (86 Punkte). Der Blogger Leonhardt fasst zusammen: "Es hilft, aus einem der vier Länder zu kommen, in denen Twitter am populärsten ist - den USA, Brasilien, England oder Kanada."

Es gibt aber auch Menschen, die in beiden Bereichen brillieren. In den Top-Ten sowohl bei den Follower-Zahlen als auch beim Einfluss-Index sind sowohl Barack Obama, als auch die amerikanische Talkshow-Königin Oprah Winfrey und die in Deutschland völlig unbekannte Reality-TV-Darstellerin Kim Kardashian.

In dieser Woche wurde übrigens noch eine zweite Gewissheit über Twitter in Frage gestellt: Häufig wird ja der Eindruck erweckt, dieses Medium diene den meisten Menschen dazu, originale Nachrichten (Augenzeugenberichte von den arabischen Revolutionen z. B.) oder private Botschaften zu verbreiten. Doch eine Studie der Universität Wien kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass die klassischen Medien auch in der Twitter-Welt noch eine große Rolle spielen, ja sie sogar dominieren: 51 Prozent der Tweets, die einen Link beinhalten, verweisen darin auf Nachrichten. Dabei wird von den Nutzern vor allem auf Quellen verwiesen, die aus klassischen, redaktionellen Medien stammen: "Es scheint, als würde die Gatekeeper-Funktion der klassischen Medienunternehmen insbesondere bei Hard News [gemeint sind Politik, Wirtschaft und Katastrophen] und in einem geringeren Maße bei Soft News [Unterhaltung, Kultur, Sport] auch in der Twitter-Sphere von hoher Bedeutung sein",  zitierte die Wiener Zeitung den Studienleiter Axel Maireder.

 Untersucht wurden laut Standard 3221 deutschsprachige, persönliche Tweets, die einen Link beinhalteten.Ein Großteil der Twitter-Nutzer versieht die Links allerdings mit individuellen Kommentaren: "Wir sprechen hier von 55 Prozent", betonte der Wissenschaftler Maireder.

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