Holocaust heißt bekanntlich die latinisierte Version eines griechischen Wortes für "Brandopfer". Es wurde schon in den frühen Vierzigerjahren übertragen für den Massenmord der deutschen Nazis an den Juden benutzt. 1979 wurde das bis dahin im deutschen Sprachraum fast unbekannte Wort durch die gleichnamige Fernsehserie auch hierzulande bekannt. Mittlerweile ist es als Begriff für die Vernichtung der europäischen Juden etabliert, obwohl gerade Juden auch weiterhin das Wort Shoah gebrauchen.
Im Deutschen war das Wort lange unbekannt, weil Luther das Alte Testament direkt aus dem Hebräischen übersetzte und nicht aus der griechischen Bibel-Übersetzung Septuaginta oder der lateinischen Vulgata. Er übersetzte die ursprünglichen Begriffe olah und kalil mit Brand- oder Ganzopfer.
In der New American Bible war Holocaust dagegen bis heute präsent, obwohl auch diese weitgehend aus den Originalsprachen übersetzt wurde. Das ändert sich nun nach dem Willen einer Kommission aus etwa 50 allen Glaubensrichtungen angehörenden Wissenschaftlern und einem Komitee römisch-katholischer Bischöfe, die seit 1994 über eine Revision des New American Bibel-Texts nachgedacht hatten. Holocaust werde heute von den meisten Menschen mit dem Massenmord an den Juden in Verbindung gebracht, heißt es in der Begründung. In der neuen katholischen US-Bibel steht stattdessen nun burnt offerings, was dem deutschen Brandopfer entspricht. Das soll die ursprüngliche positive Bedeutung des Rituals verdeutlichen.
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| Benedikt XVI. Foto: Tadeusz Górny |
Ein ganz andere Bereinigung christlich-jüdischer Missverständnisse nimmt Papst Benedikt in seinem zweiten Jesus-Buch vor, das nächste Woche weltweit erscheint. Darin spricht er die Juden als Volk komplett von jeder Schuld am Tode Jesu Christi frei - der Vorwurf war bekanntlich in den vergangenen 2000 Jahren die Wurzel aller christlich-jüdischen Feindschaft und der Vorwand für viele Pogrome. Die Forderung nach Jesu Hinrichtung sei nur von Teilen der damaligen Tempelaristokratie sowie Anhängern des Widerstandskämpfers Barabbas erhoben worden, schreibt er in seinem Buch, aus dem der Vatikan am Mittwoch Teile vorab veröffentlichte. Auf keinen Fall hätten die entsprechenden Äußerungen der Evangelien einen „rassistischen Charakter“, hebt der Papst hervor. „Die echte Gruppe der Ankläger waren zeitgenössische Tempelkreise“, heißt es in dem 10. März erscheinenden zweiten Teil des auf drei Bände angelegten Jesus-Buchs. Aus Anlass der Amnestie, die vor dem jüdischen Pessach-Fest gewährt worden sei, habe sich „die Masse der Unterstützer des Barabbas“ hinzugesellt. Der Papst, der das Buch auch unter seinem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger als Wissenschaftler veröffentlicht, betont weiter, Jesus sei Jude gewesen und seine gesamte ursprüngliche Gemeinde habe aus Juden bestanden.
Deutsche Medien haben bisher über diesen Aspekt des neuen Papstbuchs noch kaum berichtet. Doch in Amerika ist seine Aussage bereits als "riesiger Schritt vorwärts" begrüßt worden. Elan Steinberg, der Vize-Präsident der Amerikanischen Vereinigung der Holocaust-Überlebenden sagte der Nachrichten-Agentur Reuters: "Dieses Papst hat kategorisch verkündet, dass die biblische Ente, Juden wären die Mörder Christi gewesen, eine große theologische Lüge ist und diese Betrachtungsweise ist sehr zu begrüßen in Anbetracht der Rückschritte, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben." Steinberg dürfte damit u. a. auf die Rehabilitation des Holocaust-leugnenden Ketzerbischofs Richard Williamson anspielen.
Aber mal ehrlich: Außer Mel Gibson dürfte die Aussage des Papstes niemanden wirklich überraschen. Der Hollywood-Star hatte zwar 2004 in seinem Film "Die Passion Christi" noch an den alten Stereotypen von den jüdischen Christus-Mördern festgehalten. Aber in der gesamten Wissenschaft besteht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass die Römer allein für die Kreuzigung Christi verantwortlich waren. Die Besatzungsmacht und ihr Statthalter Pontius Pilatus hätten sich ganz bestimmt nicht von "der Tempelaristokratie" in ihre Jurisdiktion reinreden lassen. Stellvertretend für alle neueren Publikationen zum Thema sei "Der Prozess Jesus aus jüdischer Sicht" von Chaim Kohn genannt. Als katholisch-theologische Verkündigung und als Bereinigung des katholisch-jüdischen Verhältnisses mag die Aussage des Papstes sensationell sein - wissenschaftlich ist sie, im Lichte der historischen Jesus-Forschung betrachtet - ein ganz alter Hut.

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