Sonntag, 23. Januar 2011

Woran müssen Christen glauben?

Dem methodistischen Pfarrer Martin Thielen im US-Staat Tennessee ist geglückt, wovon viele Priester träumen: Er hat durch lange Gespräche einen atheistischen Freund dazu gebracht, sich dem Glauben (wieder) ein bisschen anzunähern. Eines Tages fragte dieser Freund ihn: ""Martin, du hast mich fast mit diesem Religionskram überzeugt. Also möchte ich jetzt wissen: Was ist das Minimum, an das ich glauben muss, um noch ein Christ sein zu können."

Thielen fand die Frage so interessant, dass er gleich ein ganzes Buch darüber geschrieben hat (und einen Artikel in der "Huffington Post"). Darin legt er auch dar, woran Christen, entgegen allen weitverbreiteten Irrlehren, nicht glauben müssen. Zum Beispiel müssten sie nicht glauben, dass ...

... Gott Krebs und Autounfälle und andere Katastrophen verursacht
... gute Christen niemals zweifeln
... Frauen keine Priester sein dürfen und dem Manne untertan sind
... Gott sich zwar um die Rettung von Seelen aber nicht um die Rettung von Bäumen kümmert
... böse Menschen "zurückbleiben" und in der Hölle braten
... Juden nicht in den Himmel kommen
... alles in der Bibel wörtlich genommen werden sollte
... Gott nur heterosexuelle Menschen liebt und keine Schwulen
... es für Christen in Ordnung ist, voreingenommen und selbstgerecht zu sein

Auf der anderen Seite gebe es eben doch ein paar Dinge, an die Christen glauben sollten. Für Thielen steht Jesus im Zentrum dieser unabwendbaren Grundsätze: Ein Christ müsse an Jesus, sein Leben, seine Lehren, sein Beispiel, seinen Tod und seine Auferstehung glauben - darunter gehe nichts.

Ich finde, dass Thielen und sein Gesprächspartner mit dieser Frage zu einer unausweichliche Debatte beitragen. Angesichts des traurigen Bildes, das die Amtskirchen bieten und angesichts der Unvereinbarkeit mancher traditioneller Grundsätze mit Demokratie, Menschenrechten oder auch nur dem friedlichen und toleranten Zusammenleben in einer modernen, offenen Gesellschaft, müssen sich Christen, egal welcher Konfession, fragen, was wirklich überzeitlich ist - und was nur überlieferter anachronistischer Plunder aus einer Hirten- und Stammesgesellschaft vor 3000-2000 Jahren.

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