Dienstag, 21. Dezember 2010

Das ist Käse, Mr. Gervais

Der von mir eigentlich sehr geschätzte Komiker Ricky Gervais hat in seinem Blog fürs "Wall Street Journal" darüber geschrieben, warum er nicht in Gott glaubt. Darin stellt er u. a. die Forderung auf, Gläubige müssten begründen, warum sie an Gott glauben - und nicht umgekehrt.

Der Text dieses großen Künstlers ist wunderbar, klug und diskussionwürdig - wenn nur nicht gleich die beiden allerersten Sätz eine Lüge wären: "Why don’t you believe in God? I get that question all the time." Ich glaube ihm kein Wort. Kein zivilisierter Christ - und gehe mal davon aus, dass er in seiner schicken Medien- und Fernsehwelt nicht allzu viele durchgeknallte, mit der Bibel wedelnde,  hinterwäldlerische Frömmler kennenlernt - würde jemals einen Atheisten so einen Blödsinn fragen. Denn natürlich ist es ganz logisch, nicht an Gott zu glauben.

Nur ist Logik in diesem Bereicht irrelevant. An Gott glaubt man entweder oder man tut es nicht. Entweder man hat seine Anwesenheit erfahren, seine Stimme gehört oder man will einfach an ihn glauben. Oder man ist religiös taub. Aber das ist doch keine Frage der Kausalität. Sondern ein A-Priori. Jemanden zu fragen, warum er nicht an Gott glaubt, kommt mir so überflüssig vor, wie jemanden zu fragen, warum er keine Gedichte mag. Manche können damit eben nichts anfangen. Es ist nicht schlimm für sie, weil sie nicht wissen, was sie versäumen. Und Gott kann ganz gut auf ein paar Milliarden Seelen mehr oder weniger verzichten - während es für die Dichter dieser Welt schon ganz schön wäre, wenn mehr Menschen Lyrikbände kaufen würden.

Ich habe genauso, wie alle meine anderen gläubigen Bekannten, auch keinerlei Missionseifer. Mir kommen Atheisten vor wie Vegetarier: Liebenswerte Käuze, die auf etwas sehr Schönes im Leben verzichten, weil es ihnen einfach nicht schmeckt oder weil sie es für schädlich halten. Vegetarismus ist - in Anbetracht des Irrsinns der Fleischproduktion - genauso logisch wie Atheismus. Ich mische mich da nicht ein.

Vielleicht kenne ich einfach zu wenige Eiferer. Die Menschen in meinem Bekanntenkreis leben meist auf mittlerer Betriebstemperatur. Ich bin ein protestantischer Fleischesser, aber eine meine besten Freundinnen ist eine katholischer Vegetarierin, die jedesmal die beste Salami kauft, wenn sie mich zu sich einlädt.

Die einzigen Eiferer, die ich kenne, sind - und das ist wirklich keine Erfindung - Atheisten. Ich bin in meinem Leben schon wesentlich häufiger von Atheisten mit deren Predigten vollgetextet worden als umgekehrt. Meistens sind das extrem mitteilungsfreudige Leute. Einige meiner atheistischen Bekannten musste ich leider bei Facebook ausblenden, weil ich nicht fünfmal am Tag mit Pressemitteilungen des Humanistischen Verbandes oder den neuesten Weisheiten von Dawkins/Deschner/Hitchens etc. überschwemmt werden wollte. Solche Leute muss man gar nicht fragen, warum sie nicht an Gott glauben, sie erzählen es einem ungefragt. Warum sollte das bei Ricky Gervais anders sein?

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