Freitag, 5. November 2010

Was heißt eigentlich "chasuble" auf Deutsch?

Die französische Internetseite Rue 89 hat kürzlich eine Analyse der Kleidung des Papstes veröffentlicht, die zum Schluss kommt: "Benedikt der XVI. - ein reaktionärer Papst bis in sein Outfit". Das überrascht wenig angesichts der Linkslastigkeit dieses von Ex-"Liberation"-Journalisten gegründeten Mediums und des traditionell besonders hysterischen Antiklerikalismus der französischen Roten.

Die Autorin vergleicht Benedikts Stil mit dem seiner Vorgänger und fasst zusammen: "Seine Vorgänger haben ihre Garderobe modernisiert, aber der aktuelle Papst zeigt mit seinem ganzen Auftreten seine Vorliebe für die Tradition". Obwohl er noch 2005 während der Konklave, bei der er selbst gewähl wurde, einen alten Pullover unter der Soutane getragen habe (im Gegensatz zu den anderen möglichen Anwärtern auf den Heiligen Stuhl, die sich - man weiß ja nie - mit Hemden und Manschettenknöpfen zeigten), habe man seit Benedikts ersten Auftritten eine immer stärkere Hinwendung zum katholischen Retro-Stil beobachten können. Er habe sogar Kleidungsstücke wieder angelegt, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 verschwunden waren. So habe er beispielsweise aus den ältesten Kleiderschränken Mitren hervorgeholt, die aus der Zeit von Pius IX.  (1846-1878) stammen und mit Bildern der unbefleckten Jungfrau und des Erlösers (mit einer dreifachen Krone auf dem Kopf, dem Zepter in der rechten Hand und dem Weltglobus in der Linken) bestickt seien.

Die Autorin Diane La Phung, eine Studentin, erinnert daran, dass sich Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. 1997 für die Weltjugendtage vom französischen Modeschöpfer Jean-Charles de Castelbajac einkleiden ließ und dass sich Paul VI (1963-1978) trotz seiner Vorliebe für mittelalterliche Farbsymbolik (Weiß für fröhliche Feste, Violett für schmerzliche Anlässe, Rot für die Märtyer und Grün für den Alltag) vom Maler Henri Matisse "chasubles" entwerfen ließ. Allerdings weiß ich nicht so recht, wie das funktionieren sollte - schließlich ist Matisse 1954 gestoren und Paul wurde erst 1963 Papst. Wahr ist allerdings, dass Paul ein Herz für moderne Kunst hatte und dass Matisse, als er die Chapelle du Rosaire du Vence gestaltete, auch zahlreiche klerikale Kleidungsstücke entworfen hat.
Ein chasuble von Matisse


Hier sieht man weitere Entwürfe und hier ein besonders schönes Exemplar, das Matisse für eine Abtissin schuf.

Das führt mich zur der Frage: Wie übersetzt man eigentlich das französische Wort "chasuble", das - wie so viele andere Wörter während der langen Zeit als England de facto eine französische Kolonie war - auch ins Englische übernommen wurde? Ich habe derartige Kleidungsstücke schon oft in katholischen Gottesdiensten gesehen, weiß aber nicht, wie sie heißen. Klar, es ist ein Umhang, aber es gibt doch bestimmt einen liturgischen Fachbegriff dafür.
"Die Vier Musketiere - die Rache der Mylady" (1974)


Das interessiert mich auch deshalb besonders, weil ich mein Lebtag lang ein großer Fan der Drei Musketiere war und Musketiere außer Priestern wohl die einzigen Männer sind, die solche Umhänge tragen.

PS vom 7. 11. 2010: Mittlerweile weiß ich dank meiner Freundin Antje Bohnhorst, dass diese liturgischen Umhänge Kasel heißen, obwohl man im Deutschen meist einfach Messgewand dazu sagt. Ihr verdanke ich auch den Hinweis, es gebe sogar in den "Lustigen Taschenbüchern" von Walt Disney eine Geschichte, in der Kater Karlo im Urlaub auf Madeira eine wertvolle Kasel stiehlt: "Der Kasel-Dieb" in Band 52. 

PS vom 8. 11. 2010: Mein Freund Rupert Platz macht mich darauf aufmerksam, dass es ein altes Chanson von Aristide Bruant gibt ("Les Canuts"), in dem die Weber singen:  "Pour chanter Veni Creator, il faut une chasuble d'or". Eine der berühmtesten Versionen des Liedes stammt von Yves Montand.

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