Donnerstag, 18. November 2010

Satan lauert im Personalausweis - oder im USB-Stick

Zwei schöne Beispiele für religiöse Paranoia habe ich in den aktuellen Nachrichten gefunden: Die evangelikale Kirche Paz do Senhor Amado (Frieden des Lieben Gottes) in Sao Paulo hat ihren Mitglieder den Gebrauch von USB-Stiften und -Kabeln verboten, weil das Symbol dieser Technologie ein Zeichen Satans sei, berichtet der britische Guardian. Der selbsternannte Apostel der Kirche, Welder Saldanha, sagte:

"Das Symbol (er will den Namen noch nicht mal aussprechen) ist ein Dreizack, der benutzt wird, um Seelen zu foltern, die zur Hölle fahren."

Satans Dreizack?
Mitglieder der Kirche haben dem im Guardian zitierten Bericht zufolge ihre USB-Verbindungen gegen andere Datenverbindungen ausgetauscht. Bluetooth ist - trotz seines zweifelhaften Namens (Wer außer Dämonen sollte denn blaue Zähne haben?) übrigens erlaubt, denn, so der Apostel: "Blau war die Augenfarbe unseres Erlösers, Jesus Christus."

Der Guardian-Autor räumt übrigens ein, dass sich seine Geschichte durchaus als Ente erweisen könne und er sie, in Ermangelung von Portugiesisch-Kenntnissen, nicht nachrecherchiert habe. Der älteste Internet-Eintrag zu dem Thema stammt aus einem brasilianischen Blog vom 29. Juni 2010. Gefunden habe ich immerhin zwei brasilianische Internet-Artikel, in denen angeblich sogar ein Foto von Welder Saldanha zu sehen ist. In dem anderen Artikel wettert er gegen die Psychologie.

Derartiger Wahnsinn ist im Übrigen kein exklusives Merkmal evangeliker Sekten, wie eine Nachricht aus Griechenland beweist. Wie die Agentur AP meldet, will die griechisch-orthodoxe Kirche die Teufelszahl 666 aus den neuen Personalausweisen des Landes verbannen. Die Kirchenleitung teilte gestern in Athen mit: Als Staatskirche habe sie "die Aufgabe, die Integrität des Glaubens zu wahren, weshalb Personalausweise weder sichtbar noch unsichtbar die Ziffernfolge 666 enthalten dürfen". Die Regierung habe bereits versichert, "den Hinweis zu berücksichtigen".

Bekanntlich heißt es in der biblischen Offenbarung des Johannes, 13, 16-18, über das große "Tier", dessen Erscheinen die Apokalypse ankündigt:

"Und es macht, dass die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte allesamt sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, daß niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen, nämlich den Namen des Tiers oder die Zahl seines Namens. Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tiers; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig."

Mit diesem "großen Tier" ist so ziemlich jeder Politiker irgendwann einmal assoziiert worden - besonders gerne George W. Bush, wie ein Foto im österreichischen Standard zeigt. Umgekehrt wird die 666 von Satanisten und Heavy-Metal-Fans oft stolz als eine Art Wahrzeichen getragen. Das begann schon mit Led Zeppelin und Black Sabbath (siehe hier).

In Deutschland scheinen die Kirchen es übrigens nicht ganz so eng zu sehen mit der Zahl: Die Kontonummer des katholischen Kirchensteueramtes in München enthalte die 666, erzählt mir eine Freundin. Und wenn man das versucht zu verifizieren, indem man es googelt, stellt man fest, dass sowohl Katholiken als auch Protestanten in München zahlreiche Nebenanschlusstelefonnumern mit 666 haben.

1 Kommentar:

  1. Nun ja, der Dreizack ist allerdings ebensogut Wahrzeichen Poseidons.....und diese Bedeutung des Symbols Dreizack ist älter als alles christliche. Der Teufel ist erst im Mittelalter "geschaffen" worden, um das Volk in Angst zu halten

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