Sonntag, 14. November 2010

Kelten und Schweine

Vor gut zwei Wochen habe ich hier aus aktuellen Anlass über religiöse Tabus rund um das Schwein geschrieben. Dieser kleinen Betrachtung darüber, warum das Schwein im christlich-europäischen Kulturkreis anders als im Islam und Judentum einen positiven Stellenwert hat (nicht nur als Nahrungsmittel sondern auch als Symbol von Mut und Kampfkraft), kann ich jetzt noch zwei Zufallsfunde hinzufügen.

In dem auch sonst wunderbar amüsanten und klugen Buch "Asterix und seine Zeit. Die große Welt des kleinen Galliers" (Beck'sche Reihe, 2. Auflage 2001) schreibt Wolfgang Spickermann am Schluss seines Kapitels über "Asterix und die Religion" (S. 125f):

"Das Schwein hatte aber vor allem kultische Bedeutung. Aus dem gesamten keltischen Raum sind Eberfiguren überliefert, häufig Votivgaben an die Götter. Die Kelten scheinen von Schweinen geradezu fasziniert gewesen zu sein. Sie galten als dämonische Tiere, vor allem auch als Symbol der Kampfeswut. Auf Münzen des gallische Stammes der Haeduer ist die Eberstandarte auch als Feldzeichen überliefert. Auch Troubadix besitzt eine Trompete (Asterix und die Normannen, S. 35), deren Schalltrichter die Form eines Wildschweinkopfes hat und demjenigen einer keltischen Kriegstrompete aus Deskford in England sehr ähnlich sieht."

Keltische Kriegstrompete aus Deskford

Ein Ahnung von der Furcht, die ein wilder Eber früher bei den Menschen Europas auslösen konnte, bekommt auch ein Leser von Shakespeares Drama "Richard III.". Hier wird der mörderische Ursurpator des Thrones immer wieder als Eber bezeichnet. Die Geister, die König Richard in der 3. Szene des fünften Aktes erscheinen, segnen seinen Widersacher Richmond:


Schlaf' friedlich, Richmond, und erwach' voll Mut!
Dich schirm ein Engel vor des Ebers Wut. 
Leb' und erzeug' ein reiches Königshaus!


Ein weißer Eber war tatsächlich das Wappentier des historischen Richard, und ihn führt auch die im 20. Jahrhundert gegründete Richard III Society im Wappen, die sich zum Ziel gesetzt hat, den durch Shakespeare verdüsterten Ruf jenes Königs aufzuhellen.

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