Samstag, 6. November 2010

Eine Torte für den Erzbischof

In der Konkurrenzbeobachtung kann man als manchmal an seiner Kirche verzweifelnder Protestant doch immer wieder Trost finden: In Brüssel sind die Bürger mittlerweile zu Recht über ihr katholisches Kirchenoberhaupt so empört, dass manche von ihnen zu handgreiflichen Mitteln greifen.

Brüssels Erzbischof André-Joseph Mutien Léonard hat bei einem Gottesdienst eine Torte ins Gesicht geworfen bekommen. Zwar ist das Video des Ereignisses erst seit heute im Internet zu sehen, doch der Vorfall ereignete sich bereits am vorigen Montag während einer Messe zu Allerheiligen in der Kathedrale Kathedrale St. Michael und St. Gudula in der belgischen Hauptstadt.

Das Tortenattentat fand gegen 15.30 Uhr während eines Gottesdienstes statt, den Monsignore Léonard für die Laien-Organisation "Pro Sanctitate" abhielt. Die Organisation selbst hat den Vorfall in ihren Berichten über die Messe nicht erwähnt, aber des Bischofs neue Pressesprecherin Claire Jonard und der Abt Patrick Vanderhoeven haben das Attentat bestätigt: "Der Erzbischof hat danach den Gottestdienst forgesetzt und wird gegen seinen Belästiger keine Anzeige erstatten. Wir haben keine Ahnung, um wen es sich handelt und was seine Absichten waren."

Der Erzbischof nahm es laut einen Bericht des belgischen "Standaard" mit Humor: Er putzte seine  Brille und kostete dabei etwas von der unfreiwillig empfangenen  Gabe. Es sei eine Torte „von durchaus gutem Geschmack“ gewesen,  zitiert der „Standaard“.

Der 70-jährige Léonard ist selbst bei Katholiken seines Heimatlandes höchst umstritten - und darin sind sich ausnahmweise mal Flamen und Wallonen eilig. Selbst enge Mitarbeiter bezeichen den Vorsitzenden der belgischen Bischofskonferenz als "Geisterfahrer". Am Dienstag war Léonards bisheriger Pressesprecher zurückgetreten. Er könne für dieses wandelnde Pulverfass nicht länger arbeiten, erklärte er zur Begründung. Der Erzbischof hatte zuletzt Aids als Konsequenz von Fehlverhalten bezeichnet und dabei von einer Form "immanenter Gerechtigkeit" gesprochen.

Diese Leute sagen heute nicht mehr so deutlich, dass Aids oder die Love-Parade-Katastrophe "eine Strafe Gottes" sind. Sie drücken es - wie auch Eva Herman oder der österreichische Bischof Andreas Laun verquaster und klausulierter aus. Aber sie meinen dasselbe.

Wenn Gott wirklich so unbarmherzig wäre, wäre er kein Christ. Und es wäre die Aufgabe jedes wahren Christen, barmherziger zu sein als Gott.



Kommentare:

  1. Der Erzbischof hatte zuletzt Aids als Konsequenz von Fehlverhalten bezeichnet und dabei von einer Form "immanenter Gerechtigkeit" gesprochen.

    Naja. Daß es die Konsequenz aus einem Fehlverhalten ist, läßt sich kaum bestreiten. Auch die Sichtweise von Leid als einer Folge sündhaften Verhaltens und Unbußfertigkeit ist durchaus schriftgemäß. Siehe die Rede Jesu Christi zum Einsturz des Turmes zu Siloah.

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  2. Wie gesagt: Wenn es so wäre, dann müssten wir barmherziger sein als Gott. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr, meine ich: Das müssen wir in jedem Fall, weil wir nicht Gottes Allmacht und Allwissenheit haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott Menschen hasst, die strenger sein wollen als er.

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