Freitag, 26. November 2010

Papst, wir wissen, wo Dein Auto steht!

Manchmal fragt man sich als Protestant ja schon, ob die Herrschaften von der anderen Konfession, derzeit keine anderen Sorgen haben. Ein hoher Schiedsrichter-Funktionär in Schottland wird gerade von der schottischen Katholischen Kirche attackiert. Hugh Dallas, offenbar ein Presbyterianer, voll des guten alten antipapistischen Furors, wollte sich nicht damit begnügen, Benedikt XVI. zu zurufen: "Wir wissen, wo Dein Papamobil steht". Sondern er soll am ersten Tag des Papstbesuches Mitte September eine witzig gemeinte Massen-E-Mail verschickt haben, in der - ja klar - auf den Missbrauchsskandal angespielt wurde. In der Mail, so berichtet der Scotsman, war das einst von der Designerin Margaret Calvert entworfene britische Verkehrsschild "Achtung, Kinder überqueren die Straße" zu sehen. Ergänzt war es um den Hinweis: "Vorsicht! Der Papst kommt".

Das "Childdren Crossing"-Schild
Nun verlangen die Oberen der schottischen Kirche, dass Hugh Dallas, der Leiter der Schiedsrichterausbildung des schottischen Fußballverbandes SFA und selbst ein ehemaliger Top-Schiedsrichter, von seinem Posten  entbunden wird, falls sich bewahrheite, dass Dallas die Mail von seinem Account bei der Schiedsrichtervereinigung wirklich selbst verschickt habe. In dem Brief des Kichensprechers Peter Kearney, den der Scotsman dokumentiert, heißt es, die Kirche habe zunächst versucht, die Angelegenheit im direkten Gespräch mit der SFA zu lösen. Nach zwei Monaten, in denen sich nichts getan habe, habe man nun den Weg an die Öffentlichkeit gewählt. Man erwarte Aufklärung und gegebenenfalls Konsequenzen.

Ein Kommentar zu dem Scotsman-Artikel hat völlig zurecht darauf hingewiesen, dass ein Verbandsfunktionär, der mit einer ähnlichen E-Mail irgendeinen protestantischen, jüdischen oder muslimischen Geistlichen beleidigt hätte, längst nicht mehr auf seinem Posten säße. Die meisten übrigens Kommentare sind allerdings voller Häme in Richtung der Kirche.

Papamobil am 17. September in Glasgow
Der Brief an den SFA-Boss Stewart Regan trifft den Verband in einem Moment, in dem er eigentlich genug andere Sorgen hat. Die schottischen Liga-Spiele des kommenden Wochenendes müssen möglicherweise abgesagt werden, weil die Schiedsrichter streiken wollen. Die Unparteiischen fühlen sich von den Trainer und Spielern, die ihre Unparteilichkeit bezweifeln und sie immer häufiger nach dem Spiel anpöbeln, als Sündenböcke missbraucht. Die Ankündigung  der SFA, man werde gegebenfalls ausländische Schiedsrichter einsetzten, ist schon wieder dementiert. Schiedsrichter aus Irland, Norwegen und Wales teilten mit, sie würden auf gar keinen Fall als Streikbrecher zur Verfügung stehen.

Eigentlich sollten Schiedsrichter, erst recht schottische, und katholische Priester doch gut miteinander auskommen. Denn es gibt bei beiden Gruppen ja nicht nur das Vorurteil, dass es sich überwiegend um homosexuelle Käuze handelt, und eine gewisse Ähnlichkeit im Kleidungsstil (zumindest früher trugen Schiedsrichter ja schwarz und der Schotte hält es ja bekanntlich ähnlich wie der Papst mit Röcken). Beide Professionen setzen wohl eine gewisse Hybris voraus, denn dauernd muss man sexuelle oder sportliche Tätigkeiten beurteilen, die man selbst gar nicht ausüben dürfte oder könnte. Vor allem gibt es sowohl bei Schiedsrichtern als auch beim Papst ja ein Unfehlbarkeitsdogma, nur dass es im Fußball "Tatsachenentscheidung" heißt.

Nachtrag vom 29. November: Am Wochenende ist Hugh Dallas tatsächlich zurückgetreten. Angeblich aus "familären Gründen".

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