Mittwoch, 13. Oktober 2010

Mennoniten und die Zerstörung der Wälder in Paraguay

Vor einigen Wochen habe ich hier über den Film „Stellet Licht“ geschrieben und dabei die Behauptung aufgestellt, die Mennoniten wären „sympathische Fundamentalisten“. Das hat mir Kritik von Leuten eingebracht, die glaubten, ich wollte die Mennoniten mit dem Begriff „Fundamentalisten“ diskriminieren. Mittlerweile weiß ich, welche Rolle die Mennoniten bei der Zerstörung des einmaligen Chaco-Biotops in Paraguay spielen, und frage mich, ob nicht eher der Begriff „sympathisch“ eine gewagte Wortwahl war.

Einem Artikel des britischen „Guardian" entnehme ich, dass die in Paraguay seit den Dreißigerjahren (als sie vor der Verfolgung in der Sowjetunion flohen) einen Staat im Staat bildenden Mennoniten (mit Steuerbefreiung, eigener Polizei und eigen Schulen) dabei sind, große Teile des Chaco zu entwalden, um es in Farmland für die Produktion von Exportfleisch und Bio-Kraftstoff-Pflanzen zu verwandeln.

Neue Satellitenbilder zeigen, dass etwa eine Million Hektar oder nahezu zehn Prozent des jungfräulichen Trockenwaldes im nördlichen Paraguay in nur vier Jahren mit Hilfe von Feuer, Kettensägen und Baggern gerodet worden sind. In der gleichen Zeit behauptet Brasilien, die Entwaldung des Amazonasgebietes nahezu gestoppt zu haben. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum die örtlichen Mennoniten, die mittlerweile längst von Kleinfarmen zu Agrarindustriellen aufgestiegen sind, mit brasilianischen Großgrundbesitzern zusammenarbeiten. Bei diesen handelt sich meist um Nachfahren von Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Brasilien auswanderten. Die britischen Reporter vom „Guardian“ befällt ein wohliger Grusel angesichts der Vorstellung, dass Land unter sich aufteilen, von dem es nach 1945 hieß, Hitler würde sich dort verstecken.

Der Chaco, ein kaum besiedeltes fast undurchdringliches Gebiet mit fast undurchdringlichem Wald, zweimal so groß wie Großbritannien, ist die Heimat von 3400 Pflanzenarten, 500 Vogelarten, 150 Säugetierarten, 120 Reptilienarten und 100 Amphibienarten. Jaguare, Pumas, Riesenameisenbären und Otter machen es zu einem der artenreichsten Waldgebiete der Welt.

Es wächst auch die Sorge um die dort lebenden isolierten Indianer. Die Ayoreo-Totobiegosode sind der einzige Stamm ohne Kontakt zu Weißen außerhalb von Amazonen, aber Anfang dieses Jahres wurden Bagger einer mennonitischen Transportfirma dabei ertappt, wie sie widergesetzlich tausende Morgen Land, das die Indianer nutzen, zerstörten. Bislang gab es allerdings noch keine Menschenjagden wie 1986, als als fundamentalistische amerikanische Sekten Tausende von Indianer fingen und zwangstauften. Warum auch? Den Mennoniten geht es hier ums Geschäft nicht um die Seelen.

Wie sich diese Art von Landnutzung mit „Nachhaltigkeit“ verträgt, bleibt das Rätsel der paraguayanischen Mennoniten. Der „Guardian“ zitiert Heinrich Dyck, einen Sprecher der Sekte, mit dem Satz: „Gott hat in der Bibel deutlich gemacht, dass wir uns um das Land kümmern und es auf nachhaltige Weise zur Erzeugung von Nahrung nutzen sollen.“

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