Montag, 19. Juli 2010

Die Liebe unter Mennoniten

Die lutherische Kirche will sich in Stuttgart beim Welttag mit den Mennoniten versöhnen. Im 16. und 17. Jahrhundert habe die Kirche bei der Verfolgung dieser aus den Täufern hervorgegangen Religionsgemeinschaft eine „Blutschuld“ auf sich geladen, sagte der württembergische Landesbischof Oftried July. Die meisten offiziellen Protestanten dürften über die Mennoniten allerdings so gut wie nichts wissen. Dabei sind die basisdemokratischen und pazifistischen Mennoniten etwas Seltenes und Kostbares: sympathische Fundamentalisten.

Viele Mennoniten von ihnen mittlerweile wieder in die Gegend im deutsch-holländischen Grenzland zurückgekehrt, in der diese religiöse Bewegung einst entstanden war. Die Tatsache, dass die Gegend rund um Lemgo die höchsten Geburtsraten Deutschlands aufweist (und nicht, wie oft kolportiert das Viertel Prenzlauer Berg in Berlin), führt das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung in seinem Buch „Zur demographischen Lage der Nation“ (dtv 2006) u. a. darauf zurück, dass dort so viele mennonitische Spätaussiedler aus Russland konzentriert sind.

Doch nicht nur nach Russland sind die Mennoniten in den Jahren der Verfolgung geflohen. Wie so viele andere in Europa unterdrückte Freikirchen haben auch sie sich massenhaft in der neuen Welt angesiedelt. Dort leben beispielsweise in Nordmexiko noch mennonitische Gemeinschaften, die bis heute einen altertümlichen niederdeutschen Dialekt sprechen. Unter ihnen spielt der Film „Stellet Licht“ des großen mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas, den ich hiermit noch einmal nbrünstig empfehlen möchte – nachdem ich ihn schon 2009 in der WELT rezensiert habe. Jeder, der noch nicht völlig erblindet ist gegenüber der Schönheit der Welt und der Kunst, sollte sich dieses bewegende Meisterwerk auf DVD besorgen.

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