Sonntag, 25. April 2010

Zum Tode von Alan Sillitoe

Der englische Schriftsteller Alan Sillitoe ist ist tot. Er war ein Held meiner Jugend.

In den Achtzigerjahren wurde im Pop ja zum letzten Male die Arbeiterklasse als kulturelles Leitbild verherrlicht. Deshalb wäre ich wahrscheinlich auch dann bei Sillitoes Büchern „The Loneliness of the Long Distance Runner“ und „Saturday Night and Sunday Morning“ gelandet, wenn wir das erste nicht im Englisch-Leistungskurs gelesen hätten. Unten ein Ausschnitt aus der sehr schönen Verfilmung von 1962.

Mitte der Achtzigerjahre, während meines Studiums in Braunschweig, habe ich Sillitoe mal als Vortragenden erlebt. Er war vom „Angry Young Man“ zum eher akademisch wirkenden Mittfünfziger gewandelt - so wie auf dem Foto zum FAZ-Artikel. Damals war er schon ziemlich auf dem absteigenden Ast. Seine Bücher - aktuell war damals gerade „The Lost Flying Boat“ - wurden nicht mehr bei Diogenes veröffentlicht, sondern bei Lübbe. Sillitoe hat auch Romane über den algerischen Unabhängigkeitskrieg geschrieben. Es war, glaube ich, eine ganze Trilogie, die mit „A Tree on Fire“ begann. Er selbst ist allerdings nie in Algerien gewesen. Es war ihm sichtlich unangenehm, als ich ihn danach fragte. Dabei ist das ja gar nicht schlimm.

In "Saturday Night and Sunday Morning" arbeitet der Held übrigens in einer Fahrradfabrik - das kann in Nottingham natürlich nur Raleigh sein. Die haben mal richtig gute Fahrräder gemacht.

Es gibt eine frühe Kurzgeschichte von Ian McEwan, deren Hauptfigur Norma Sillitoe heißt. Ich glaube, diese satirische Story ist eine Abrechnung McEwans mit seinem Ex-Idol, unter dessen Einfluss er zu Beginn stand.

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