Donnerstag, 25. März 2010

Was tun, wenn der Kollege stinkt

In Köln ist ein Architekt entlassen worden, weil er angeblich intensiv nach Schweiß roch. Das Gericht hat seinem Arbeitgeber - dem Denkmalschutzamt - recht gegeben. Aber nur weil der Mann noch in der Probezeit war und sowieso ohne jede Angabe von Gründen hätte entlassen werden können.  Das wirft die Frage auf: Wie geht man als Chef eigentlich mit solchen Problemen um.

Wäre es nicht gerechter gewesen, den Mann erst einmal darauf hinzuweisen, dass er stinkt? Ich weiß aus langer Berufs- und Lebenserfahrung, dass es immer mal wieder Menschen gibt, die nach Schweiß riechen, ohne grundsätzlich ein Problem mit Hygiene zu haben. Ein klassischer Fall sind Frauen, die gerne empfindliche Kleider vom Flohmarkt oder ähnliches tragen, das man nicht waschen, sondern nur reinigen kann. Manchmal warten sie mit der  Reinigung zu lange. Man selbst bemerkt das ja oft nicht so. Kann auch Männern mit ihren Anzügen passen, wie ich ebenfalls leider schon bemerken musste.

Aber so jemanden auf sein Problem hinzuweisen, erfordert einen gewissen Mumm und zugleich ein Fingerspitzengefühl, das die Kölner Amtsleiterin, die sogar in ihrem Entlassungsschreiben den Schweißgeruch erwähnte, ganz offensichtlich nicht hatte. Selbstverständlich kann so ein Gespräch nur unter vier Augen stattfinden. Dann muss man aber auch direkt zur Sache kommen. Ich war dazu mal bei einem Volontär gezwungen, der bei einer Berliner Zeitung, in der ich stellvertretender Kulturchef war, in unserem Ressort Station machte. Bei ihm, immerhin ein promovierter Herr Anfang 30, war der  Geruch wirklich das Ergebnis hartnäckiger Vernachlässigung. Der Mann war auch sonst ein Kauz, lebte offenbar allein ohne Freundin und hatte scheinbar jedes Gefühl für  Hygiene verloren. Es war Hochsommer; und er stank wirklich bestialisch. Da galt es zwischen zwei seelischen Grausmkeiten abzuwägen: Derjenigen, es dem Volontär zu sagen, und derjenigen, den Kolleginnen (es waren damals nur Frauen) den Geruch weiter zuzumuten.

Ehrlich  gesagt: Ich finde, wenn er sich nicht geändert hätte, wäre das auch ein Entlassungsgrund gewesen. Der Mann hatte schließlich Kontakte mit Leuten, die er interviewte, und deshalb schadete sein Auftreten der Zeitung. Abgesehen vom Leid der Kollegen, die ihn den ganzen Tag in einem Sechs-Personen-Büro ertragen mussten. Schade, dass das Kölner Arbeitsgericht die Rechtmäßigkeit einer so begründeten Entlassung nicht grundsätzlich geklärt hat. Aber der Architekt und sein Anwalt wollen ja durch weitere Instanzen gehen. Als Jetzt-gerade-wieder-mal-Chef, der neulich ein jungen Kollegen (sehr dezent) zurechtweisen musste, weil sich ein anderer Kollege (zu Recht) über seine rücksichtsloses Husten ohne Hand vorm Mund beschwert hatte, wüsste ich gerne mal, auf welchem juristisch schwankenden Boden man sich da befindet. Womöglich kann mich der gescholtene Kollege noch wegen Beleidigung oder Mobbing belangen?

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