Mittwoch, 24. Februar 2010

Typisch Frau, Frau Käßmann!

Der Rücktritt von Bischöfin Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende war einfach nur voreilig und panisch. Kein Mann hätte je sein Amt aus dem gleichen Anlass geräumt.

Ich weiß nicht, welche privaten Gründe sie hatte, sich aus dem irdischen Fegefeuer der Medien zu stehlen, aber so bestätigt sie wieder mal alle Klischees von den Frauen, die entnervt aufgeben, sobald sie feststellen, dass Macht eben auch Häme und Hass auf sich zieht und dass man in einer  hohen öffentlichen Position eben keine Privatsphäre mehr hat.  Sie merkte, dass sie für ihre Aussagen zum Afghanistaneinsatz und zur Hartz-IV-Debatte nicht nur geliebt wurde. Und als ihre ganzen Verächter durch eine  private Dummheit, die noch bei einem Franz-Josef Strauß als Folklore durchging, ein Folterwerkzeug gegen sie in die Hand bekamen, verlor sie die Nerven und ging.

Dabei gibt es eine Verpflichtung in einem Amt zu bleiben, in das man gewählt wurde, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Auch wenn man Furcht, Ekel und - gestehen wir es Frau Käßmann  zu - echte Gewissensbisse empfindet, darf man die Bürde nicht einfach so abwerfen. Und sei es nur um dem Feind - das ist in diesem Fall die ganze versoffene und verlogene Journalistenmeute - keinen Triumph zu gewähren.
Das sage ich, obwohl ich wahrhaft kein politischer Freund der Bischöfin bin -  wie mein letzter Blogeintrag beweist. Aber ihr Verhalten regt mich auch so auf, weil typische gegenwarts-protestantische Weichheit im Spiel ist. Ein Cromwell, ein Luther oder ein Gustav Adolf haben ganz andere Dinge auf ihr Gewissen geladen als nur eine Autofahrt mit 1,5 Promille.

Man muss das mal vergleichen: Bis heute ist kein einziger katholischer Bischof wegen der seit Jahrzehnten von dieser Konfession geduldeten und vertuschten Missbrauchsfälle zurückgetreten. Dabei wird immer offenbarer, dass die Katholische Hierarchie als Ganzes die Verantwortung für diese Widerwärtigkeiten trägt. Es war ein geduldetes kriminelles System innerhalb der Kirche. Aber noch heute beschwichtigen sie, reden von Gnade und Verzeihung und schieben den jugendlichen Opfern eine Mitschuld zu - nach dem Motto der klassischen Vergewaltigerausrede „Du willst es doch auch!“ Ich kann diesem Verhalten einen widerwilligen Respekt nicht versagen. So wie mir auch das Gesetz des Schweigens bei der Mafia und deren unzerstörbare Verbrechersolidarität eine gewisse Ehrfurcht einflößen.

Ein bisschen von dieser primitiven Beharrungsfähigkeit hätte Frau Käßmann nicht schaden können. Man findet sie bei Männern viel mehr als bei Frauen. Helmut Kohl war das berühmteste Beispiel - er hat es darin zu einer eigenen Genialität gebracht. Schröder war mit Kohl verglichen eine Tussi. Seine Neuwahlankündigung nach der verlorenen NRW-Wahl 2005 war eine typisch weibliche Kurzschlussreaktion.

Und solange Frauen so handeln, muss sich keiner wundern, dass in Deutschland immer noch viel mehr Männer in Führungspositionen sitzen. Eine junge Kollegin von mir hat den Rücktritt Käßmanns deshalb geradezu als Geschlechterverrat empfunden und sich wahnsinnig über den typisch weiblichen moralischen Sauberkeitsfimmel der Bischöfin und ihre Schwäche aufgeregt.

Meine Frau sah es anders und meinte, wenn dieser Rücktritt typisch Frau sei, müsse die Gesellschaft  eben dahin kommen, dass Männer an sich selbst die gleichen strengen Maßstäbe anlegen, wie Frau Käßmann es an sich getan hat. Ich sagte nur: Träum weiter! Aber rede nicht von Gleichberechtigung. Gleiches Recht für alle heißt eben auch gleiches Recht auf Teilhabe an den weniger sympathischen Seiten der Macht. Frau Merkel hat das als eine der wenigen Frauen begriffen. Sie wird nie wegen irgend etwas zurücktreten.

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