Sonntag, 7. Februar 2010

Kirchen zu Parkhäusern! Parkhäuser zu Kirchen!

Ich bin heute mal wieder im Gottesdienst gewesen.  Der findet bei uns nicht mehr in der richtigen Kirche statt, weil die vor etwa zehn Jahren an ein Kindermuseum vermietet wurde.  Es gibt zu viele Kirchen in Prenzlauer Berg. Ich finde den Gemeindesaal besser als jede Kirche.

Es ist ein relativ nüchterner Raum mit den geschwungenen Formen der Nachkriegsmoderne. Das gefällt mir schon mal besser als der Stil der meisten Berliner Kirchen, die ja oft im Kaiserreich entstanden sind - einer Epoche, deren offizielle Architektur wahrlich nicht inspiriert war. Besonders schrecklich finde ich den Berliner Dom. Was für ein spießiger, kleingeistiger Protzbau! Ein Haus wie eine Pickelhaube, nur nicht so pittoresk.

Außerdem merkt man den Berliner Kirchen irgendwie an, dass sie wie Forts im feindlichen Indianerland in die roten Arbeiterviertel hineingewuchtet wurden. Es sind Fremdkörper, die nicht wie Dorfkirchen oder Gotteshäuser anderswo irgendwas mit der Volkskultur und mit gewachsenen Traditionen zu tun haben.

Auch finde ich, dass das Demütige und Zurückhaltende des Gemeindesaals ohnehin mehr dem protestantischen Geist entspricht. Ich bin in Niedersachsen, wo ich aufwuchs, in einer reformierten Gemeinde konfirmiert worden. Das hat mich wohl geprägt. Unsere Dorfkirche in Veltenhof war eine ehemalige Mühle. Ein Gotteshaus wie die Theatinerkirche in München sieht für  mich aus wie der LSD-Traum eines tuntigen Designers.  Und dann steht gleich gegenüber auch noch das Denkmal des Massenmörders Tilly.

In einem Raum wie unserem Gemeindesaal ist die Verkündigung des Evangeliums plötzlich wieder eine ziemlich direkte Angelegenheit. So wie es einmal in den Versammlungsräumen der Urchristen war oder dort, wo sich Protestanten in Privathäusern oder gar irgendwo in der freien Natur treffen mussten, weil ihnen der Gottesdienst in eigenen Kirchen nicht erlaubt war.

  In  der heutigen Kirche wird viel zu viel Gewese um Häuser gemacht. Die evangelischen Kirchen brüsten sich immer damit, dass es so wenige Kirchenschließungen gibt. Dabei wäre das Geld, das man für den Unterhalt überdimensionierter und nutzloser Gebäude ausgibt, besser in die Seelsorge investiert. In zusätzliche Pfarrerstellen, in kirchliche Kindergärten und Schulen (von denen es in Berlin viel zu wenige gibt) und natürlich in soziale Projekte. Die Kirche ist doch keine Immobilienverwaltung. Aber oft versteht sie sich so. Ein Kollege von mir berichtet, dass in seiner Gemeinde ein Hausmeister angestellt werden sollte. Es wäre die größte Investition seit Jahren gewesen. Irgendwie haben die Gemeindemitglieder es verhindert. Die Aufgaben des Hausmeisters übernehmen sie nun selbst, und das gesparte Geld wird für Seelsorge verwendet.

Ich jedenfalls würde lieber das Wort Gottes in einem Parkhaus von einem feurigen Prediger hören als irgendwelche langweiligen Beamtenpredigten in einer Kirche, die den Charme einer wuchtigen wurmstichigen Antiquität hat.

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