Samstag, 13. Februar 2010

Der Sitz der Seele

Wissenschaftler haben sich schon immer Gedanken über den Sitz der Seele  im menschlichen Körper und über ihre physischen Eigenschaften gemacht. Nun haben Forscher wenigstens den Sitz der Spiritualität lokalisiert.

Descartes vermutete die Seele angeblich in der Zwirbeldrüse - was eine nachträgliche Verdrehung seiner Theorien war. Der amerikanische Arzt Duncan MacDougall wog zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Sterbende, was zu der Legende führte, Menschen würden im Moment ihres Ablebens genau 21 Gramm verlieren. Auf dieses laut der Legende wissenschaftlich ermittelte Gewicht der Seele bezog sich noch der Titel „21 Gramm“ beim zweiten Film vom Alejandro González Iñárritu.

Jetzt glauben Wissenschaftler der Universität von Undine (Italien) herausgefunden zu haben, dass der Sitz zwar nicht der Seele, aber immerhin der menschlichen Spiritualität sich in  der Großhirnrinde im hinteren Scheitellappen befinde. Wenn diese bei Tumoroperationen verletzt worden sei, empfänden die Patienten sich anschließend stärker als mystischer Teil eines großen Ganzen, wollen die Wissenschaftler mit Hilfe standardisierter Test festgestellt haben.


Lustig daran finde ich, dass die Italiener die Fähigkeit, sich als Teil eines größeren Ganzen zum fühlen, als „spirituell“ definieren. Eigentlich ist das zunächst mal, jenseits jeder Metaphysik, eine  der wichtigsten sozialen Eigenschaften des Menschen. Wenn die Leute sich nicht mehr als Teil eines Ganzen fühlen, geht jede Gesellschaft zu Grunde. Aber wahrscheinlich sind die Italiener in diesem Punkt Freudianer und setzten Spiritualität mit dem ozeanischen Gefühl gleich, das Freud am Anfang von „Das Unbehagen in der Kultur“ beschreibt und psychoanalytisch zu erklären versucht.

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