Samstag, 30. Januar 2010

Katholische Anti-Werbung

Wenn ich auch manchmal angesichts der Lauheit und dem bürokratisch grauen Erscheinung der evangelischen Kirchen verzweifle, bringen mich solche Meldungen aus der Sphäre des Katholizismus doch sehr schnell wieder auf den Pfad der rechten protestantischen Tugend zurück.

Der offenbar komplett irre Piusbruder Bischof Williamson beharrt wieder mal auf der Leugnung des Holocausts, und genauso wird Benedikt darauf beharren, ihn und seine Glaubensgenossen wieder in die Arme zu schließen. Zur gleichen Zeit häufen sich die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg, einem Jesuitengymnasium, das in der Stadt eigentlich einen legendären Ruf genießt - sogar der in Prenzlauer Berg aufgewachsene Theaterregisseur Frank Castorf sollte 1961 eigentlich dort in Tiergarten eingeschult werden. Der Mauerbau hat es  dann verhindert. Vielleicht zu seinem Glück.

Ich bin mir sicher, dass beide Affären mit systemischen Problemen des Katholizismus zu tun haben. Einerseits mit  der Hierarchie, die es Benedikt erlaubt, sein Pius-Steckenpferd ohne Rücksicht auf Verlust und Kritik zu reiten. Und andererseits natürlich mit dem Zölibat und mit der Kleiderordnung der Priester, die gefährdete Männer  geradezu anziehen. Und die Geheimniskrämerei innerhalb der Gemeinschaft deckt ihre Verbrechen dann auch noch.

Alles keine neuen Erkenntnis, zugegeben. Mittlerweile füllen die Bücher und Filme über Missbrauch in der katholischen Kirche ganze Regale - der beste scheint mir „La Mala Educacion“ von Pedro Almodovar zu sein. Und in Irland hat die Aufdeckung von flächendeckender Verkommenheit den  Staat regelrecht erschüttert.

Aber wer, wie ich, gelegentlich von der Liturgie und dem geschlossenen Auftreten der katholischen Kirche angezogen ist, wird durch solche Fälle daran erinnert, um welchen Preis das erkauft ist.

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