Freitag, 22. Januar 2010

Frommer töten mit dem Neuen Testament

Manchmal schämt man sich, Protestant zu sein. Vor allem, wenn man solche Geschichten aus der Welt des religiösen Wahnsinns liest, wie sie der brititsche „Guardian“ jetzt berichtet. Demnach werden in Afghanistan bereits seit einiger Zeit Waffen benutzt, die mit einer eingravierten Botschaft auf das Neue Testament verweisen.

Es handelt sich um Zielfernrohre, die von Truppen aus England, den USA und Neuseeland benutzt werden. Erst jetzt scheint, den Verantwortlichen klar geworden zu sein, dass man damit bei einem Krieg in einen islamischen Land leicht der Feindpropaganda Vorschub leistet, es handele sich um einen Kreuzzug christlicher Mächte gegen die islamische Welt.

Deshalb hat sich der amerikanische Hersteller Trijicon nunmehr bereit erklärt, den Bibelcode auf seinen Zielfernrohren zu entfernen. Die Markierungen, die in die Seriennummern und andere eingravierte Produktinformationen gemischt wurden, lauteten JN8:12 – für englischsprachige Leser ein offensichtlicher Hinweis auf Johannes, 8, 12, wo es heißt: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Die Firma Trijicon hat zugegeben, dass diese Markierung auf die entsprechende Bibelstelle verweist.

Ekelerregend daran ist, dass Trijicon laut „Guardian“ von einem frommen südafrikanischen Christen gegründet wurde. Laut Homepage der Firma, die mit dem Slogan „Brillante zielorientierte Lösungen“ wirbt, war das der 1937 geborene  Glyn Bindon. Der Mann starb 2003 bei einem Flugzeugabsturz. Die Vermutung, Gott habe dem Missbrauch seines Namens, den Bindon betrieb, damit ein Ende setzen wollen, hat etwas Tröstliches. Sie ist aber leider kindisch. Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte, angesichts eines Christen, der es für eine fromme Idee hält, Glaubensbotschaften auf diese Weise unter die Menschen zu bringen.
 

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