Montag, 4. Januar 2010

Der Turmbau zu Dubai

In Dubai ist heute das höchste Gebäude der Welt eingeweiht worden. 828 Meter hoch soll der „Burj Dubai“ sein - gut 300 Meter höher als der bisherige Rekordhalter, der Wills Tower (vormals Sears Tower) in Chicago. Für Dubai bedeutet das, unabhängig von der gegenwärtigen Schuldenkrise, nichts Gutes. Denn extrem hohe und extrem große Gebäude sind traditionell ein Spielzeug von Dikatoren, Potentaten, Ausbeutern und anderen fiesen Möppen. Das war schon beim Turmbau zu Babel so.

Allerdings ist die Höhe scheinbar eher ein kapitalistischer Fetisch. Hitler und Stalin bauten lieber in die Breite. Ihnen gefiel eine wuchtige Monumentalität, bei der das Verhältnis von Höhe zu Breite nicht allzu extrem auseinanderklaffte. So mochten es lieber klotzig als himmelstürmend: Gebäude wie Panzer - so wie die Große Halle, die Speer für Hitlers neue Hauptstadt „Germania“ plante, oder die „Sieben Schwestern“ in Moskau

Unter kleineren Unterdrückern mit knapper bemessenen Finanzmitteln, die sich keine Wolkenkratzer oder ganze neue Hauptstädte leisten können, spielt sich seit Jahren ein Wettbewerb um den höchsten Fahnenmast der Welt ab. Der  Amerikaner David Chambers mit seiner Firma Trident Support verdient recht gut daran, Folterstaaten wie Jordanien, Turkmenistan oder Aserbeidschan mit immer steileren Fahnenmästen zu beliefern.
2008 lag der Rekord bei gut 160 Metern, Chambrers sieht aber noch Ausdehnungsmöglichkeiten bis 400 Meter. Das einzige Problem ist, dass ab 200 Meter die herkömmlichen Kräne nicht mehr ausreichen. Und bei einem Fahnenmast kann man sie ja nicht einfach auf das Gebäude setzen, wie man es beim Bau eines Wolkenkratzers tut. Weil Chambers die Höhe für seine Türme künftig nur noch jeweils pro Kunde nur noch um einen Meter steigern will, hofft er, noch 30 bis 40 Jahre im Geschäft bleiben zu können.

Bezeichnend, dass Chambers Kunden alle im Mittleren Osten sitzen. Dabei sollte das Beispiel Babylons ihnen doch ein abschreckendes Beispiel sein, wohin solcher architektonischer Größenwahn führt. Und wenn sie sich schon Geschichten aus einem christlichen Buch wie der Bibel keine Warnung sein lassen wollen, sollten sie doch wenigstens ihren Vorgänger Ozymandias kennen, über dessen zerschellte Träume:  Percy Bisshe Shelley eines seiner berühmtesten Gedichte schrieb:

I met a traveller from an antique land
    Who said—“Two vast and trunkless legs of stone
Stand in the desert ... Near them, on the sand,
    Half sunk, a shattered visage lies, whose frown,

And wrinkled lip, and sneer of cold command

    Tell that its sculptor well those passions read
Which yet survive, stamp'd on these lifeless things,
    The hand that mocked them, and the heart that fed;
    And on the pedestal these words appear:
My name is Ozymandias, king of kings:
    Look on my works, ye Mighty, and despair!

Nothing beside remains. Round the decay

    Of that colossal wreck, boundless and bare
The lone and level sands stretch far away.”

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