Samstag, 2. Januar 2010

Antikapitalismus im Grill Royal

Ausgerechnet an dem Berliner Restaurant „Grill Royal“ blinkt draußen eine weiße Neoninschrift „Capitalism kills love“. Sie hängt wahrscheinlich schon länger da, doch ich habe sie erst heute bemerkt. Es ist schon ganz besonders widerlich, so ein plattes herzenslinkes Statement gerade hier zu entdecken.

Denn das „Grill Royal“ gilt seit etwa zwei Jahren als Treffpunkt der Berliner Kunstszene. Hier treffen sich nicht nur erfolgreiche Künstler - erfolglose könnten sich die teuren Menüs gar nicht leisten. Sondern vor allem die ganzen Kunstmuschis beiderlei Geschlechts - plappernde, aufgekratze, von ihrer Wichtigkeit berauschte Menschen, die in Galerien, im Kunsthandel oder bei hippen Zeitschriften arbeiten. Und natürlich die Sammler und wohlhabenden Kunstsinnigen.

Und diese Szene mit ihrer ganze Oberflächlichkeit,  ihrem verkoksten Größenwahn, ihrer Anbetung des Götzen Geld, ihrem Manufakturwesen, bei dem oft anonyme Hilfskräfte für wenig Geld Werke herstellen, die dann mit dem Label eines Großkünstlers versehen und teuer verkauft werden, ihren Spekulationen und mit ihren aus all dem resultierenden Blasen und Krisen ist ja wirklich das genaue Ebenbild des Kasinokapitalismus. Mit dem einzigen Unterschied, das sich ihre Protagonisten etwas pfauenbunter und metrosexueller geben als die Managerkaste.

Wenn so ein Laden also ein Schild mit der Botschaft „Capitalism kills love“ raushängt, dann fragt man sich, wo wohl weitere Exemplare dieses Kunstwerks des französichen Künstlerduos Claire Fontaine (näheres hier und hier ) hängen: Im Foyer des Gentechnikkraken Monsanto? Bei der Interessenvereinigung der Landminenhersteller? In der New Yorker Börse? Gab es vielleicht auch eines in der Eingangshalle von Lehman Brothers?

Wohl nicht. Denn an diesen Orten ist gefühliger Antikapitalismus kein Modeaccessoire. Wohl aber bei den Künstlern, die doch so oft gerade den Clown für die hässlichsten Vertreter des Kapitalismus spielen müssen, weil ausgerechnet die das Geld haben, ihnen ihre Kunstwerke abzukaufen. Wahrscheinlich ist deshalb das Bedürfnis groß, hin und wieder mal ein bisschen Dampf abzulassen. Sartre hat gesagt: Faschismus ist Sozialismus für den dummen Kerl. Antikapitalismus aber auch.

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