Dienstag, 22. Dezember 2009

Entdeckung in Nazareth

Jetzt wird in den Medien wieder viel Wind darum gemacht, dass in Nazareth ein Haus aus der "Zeit Jesu" entdeckt worden sei.

Komischerweise kommen solche archäologischen Erfolgsmeldungen immer in der Vorweihnachtszeit. Die Wissenschaftler wissen eben auch, wann sie die größten Chancen auf weltweite Aufmerksamkeit haben. Hoffentlich endet es nicht so wie vor ein paar Jahren mit dem Ossuarium, dessen angebliche Inschrift diese steinerne Knochenkiste als letzte Ruhestätte des Herrenbruders Jakobus auswies. Einige Zeit später entpuppte das Ossuarium sich als moderne Fälschung. Schon vor ein paar Jahren habe ich in einem satirischen Artikel eine gewisse Skepsis gegenüber solchen Sensationen artikuliert.

Interessant ist der neue Fund, weil wir ja über den historischen Jesus tatsächlich nur zwei Dinge ziemlich sicher wissen können: Dass er aus Nazareth stammte und dass er gekreuzigt worden ist. Es gibt wenig Grund, an diesen beiden Fakten zu zweifeln. Denn beides war aus der Sicht der damaligen Zeit so skandalös, dass niemand auf die Idee gekommen wäre, es zu erfinden. Die Galiläer galten bekanntlich nicht als richtige Juden. Auf gar keinen Fall hielt man sie für fähig, einen Messias hervorzubringen. Deshalb musste die Geburt Jesu unbedingt nach Bethlehem verlegt werden. Und die Kreuzigung war so peinlich und entehrend wie ein Fall von Kindesmissbrauch. Der Rest steht unter Legendenverdacht. Leider.

Wenn das jetzt entdeckte Haus echt ist, hat  Jesus es mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich einmal betreten. Denn Nazareth scheint in biblischen Zeiten ein winziges Dorf mit wenigen Häusern gewesen zu sein.

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