Mittwoch, 16. Dezember 2009

Der Tod auf dem Weihnachtsmarkt

Ein weiterer Grund, warum man lieber nicht sterben sollte: Es besteht die Gefahr, dass man auf seinem letzten Weg über einen Berliner Weihnachtsmarkt  geschleppt wird - zur Gaudi Glühwein trinkender Proleten.

Genau das ist jetzt vor der Gedächtniskirche dem Sarg des verblichenen Journalisten Erich Böhme passiert und vor etlichen Jahren auch schon dem Opernintendanten Götz Friedrich. Damals wie heute gab es entsprechende Artikel und Fotos in der Berliner Boulevardpresse, die sich über die vermeintliche Pietätlosigkeit erregte. Im Falle von Götz Friedrich war das Ganze umso kurioser, weil er in einer Inszenierung von "La Bohème" den zweiten Akt auf einem Pariser Weihnachtsmarkt spielen lassen hatte.

Andererseits wird ja niemand gezwungen, seine Trauerfeier ausgerechnet in der hässlichsten Kirche Berlins inmitten des Einkaufs- und Sauftrubels am Kudamm abzuhalten. Man hätte sich ja auch eine schöne Kirche an einem etwas ruhigeren Ort aussuchen können.  Aber die Gedächtniskirche ist so etwas wie die Kathedrale West-Berlins. Wer in Zehlendorf, Charlottenburg, Wilmersdorf oder Schöneberg ein großes Licht war, der darf nur hier betrauert werden. Deshalb wird es wieder passieren, falls Eberhard Diepgen, Rolf Eden oder Didi Hallervorden zufällig im Dezember sterben

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