Montag, 23. November 2009

Selbstmorde in Berliner Gefängnissen

Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat sich ein Untersuchungshäftling in Berlin selbst getötet.  Diesmal war es ein Karatelehrer, der wegen versuchten Mordes und unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge angeklagt war, weil er seine Freundin angegriffen hatte und diese danach gestorben ist. Die anderen beiden neuen Fälle waren ein Rentner, der seine beiden philippinischen Ex-Frauen umbringen wollte, und ein Student, der versucht hatte, die soziale Webseite Schüler-VZ mit gestohlenen Daten zu erpressen.

In den meisten anderen Ländern würde wohl niemand daran zweifeln, dass solche „Selbstmorde“ auf das Konto von Männern gehen, die sich nachts in die Zellen schleichen und das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Bei uns kann sich das keiner so richtig vorstellen. Auch weil die Fälle arg unterschiedlich sind: Anderswo häufen sich solche „Selbstmorde“ ja meist bei politischen Gefangenen.

Aber auch in Deutschland wird es langsam Zeit, sich Sorgen zu machen. Zumal es bereits 2006 schon einmal einen Rekord von zehn Selbstmorden in Berliner Gefängnissen gegeben hatte. Offenbar mangelt es an Psychologen, an Wachpersonal, das entsprechende Alarmsignale ernst nimmt (der Karatelehrer hatte vorher von Suizid gesprochen), und ganz einfach an Aufmerksamkeit. Jeder einzelne Fall ist eine Tragödie, alle zusammen sind sie ein unfassbarer Skandal. Es sind schon Justizsenatoren wegen weitaus weniger zurückgetreten.

Trotzdem hält sich die öffentliche Aufregung in Grenzen. Ein Kampfsportler, der seine Freundin totschlägt, und ein Rentner, der einem seiner Opfer die Augen ausgestochen hat, sind eben nicht die Sorte von kuscheligen Gefangenen, die das Herz idealistischer „Neon“-lesender und „Amnesty“ unterstützender Studenten höher schlagen lassen. Die erwärmen sich lieber für chinesische Dissidenten. Kann man ja auch verstehen. Funny van Dannen hat ein schönes Lied darüber gesungen. Und auch die linke Solidaritätsszene, die Autonomen, Anarchisten und „Antideutschen“ (ja das gibt‘s), die sonst immer jede Gelegenheit ergreifen „Polizeistaat“ zu schreien, schweigen diesmal. Es war eben keiner von ihnen.

Aber die Liberalität eines Landes und die Stärke seines Rechtssystems zeigen sich eben gerade darin, wie es mit solchen unsympathischen Fällen umgeht. Nicht nur die Netten haben Menschenrechte.

Während ich das schreibe, laufen im Fernsehen die letzten Minuten von „Der Baader-Meinhof-Komplex“ mit den Selbstmorden von Stammheim. Komischer Zufall. Es gibt viele verlorene Seelen, für die ich heute beten werde. Zu viele.
 

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