Mittwoch, 11. November 2009

Martinsumzug mit verlorener Seele

Komme gerade vom Martinsumzug zurück. Rund 1000 Menschen gingen mit Laternen durch  Berlin-Prenzlauer Berg. Und natürlich ging es nicht ab, ohne dass eine verlorene Seele dem vorbeipassierenden Zug mit rauer Stimme hinterherschrie, wir seien alle Mörder, die irgendjemanden verbrannt hätten, sollten unserem Pfarrer einen blasen und zurück nach Paderborn gehen - nicht wissend, dass in Paderborn ja eher die Katholiken zu Hause sind.

Einen Moment war man versucht, sich selbst zu bemitleiden. Etwa so: In Berlin kann jede Sammlung von politisch Bekloppten, jede sexuelle oder ethnische Gruppe ihre fünf Minuten Öffentlichkeit auf Demonstrationen in Anspruch nehmen und die Stadt zuckt nicht mal mit den Schultern. Nur wenn ein paar Hundert Christen das Erztabu brechen und zeigen, dass sie auch noch da sind, ist das eine unerträgliche Provokation. Vor allem im Osten, wo sie doch dachten, sie wären mit uns ein für alle mal fertig geworden.

Dann aber wieder gedacht: In dieser Stadt sitzen einfach an jeder Straßenecke fünf Bekloppte herum, die sich den ganzen Tag lang selbst anschreien, 365 Tage im Jahr, jahraus, jahrein. Die sind nur froh, wenn sie zur Abwechslung mal jemand anderes anpöbeln können, und wahrscheinlich wäre ihnen die Feitsch-Parade oder eine Pro-Palästina-Demo dafür genauso willkommen gewesen.

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