Donnerstag, 19. November 2009

Engel aus der Hölle

Ich bin gestern abend in Kreuzberg den leibhaftigen Hells Angels begegnet. Es war eine Gruppe von dicken Männern in Jeans-Kutten, die freundlich und unaufgefordert Platz auf dem Gehweg machten. Vielleicht ist das ja Teil einer Image-Kampagne der Rocker. Wahrscheinlich muss jedes Chapter (neuerdings weiß man ja aus Presse, dass die Unterabteilungen der Rocker so heißen) für gute Taten Gruppen abordnen, die dann alten Frauen über die Straße helfen und kleine Kätzchen vom Baum holen, um das in letzter Zeit doch arg getrübte Bild aufzupolieren, das sich die Öffentlichkeit von den wilden Motorradrebellen macht.
Die Hells Angels kamen übrigens gerade von so einer Art Weihnachtsfeier, auf jeden Fall einem ganz braven geselligen Beisammensein in einem Restaurant. Ich hatte mir solche Feste in Rocker-Kreisen bisher ganz anders vorgestellt: Mit dickbrüstigen Frauen, die außer einer roten Mütze nicht viel tragen (so wie hier), und mit einhändig gelenkten Harleys, die knatternd um den Weihnachtsbaum kreisen, während sich ihre Fahrer mit der freien Hand Alkohohol in  den bartumkränzten Mund schütten. Aber das ist wahrscheinlich ein Klischee.
Die Hells Angels waren bei dem Scheißwetter übrigens alle ohne Motorrad gekommen und stiegen in Autos mit Brandenburger Nummernschildern. Was meine Vorurteile bestätigt, dass das Rockerwesen doch eher ein Kult der zurückgebliebenen Landbevölkerung ist. Aber das schönste: Die Begegnung fand ausgerechnet am Engelbecken statt!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen