Freitag, 13. November 2009

Hitler wollte ein islamisches Deutschland

Dass Adolf Hitler kein Freund des Christentums war, ist bekannt. Zwar verachtete er den germanischen Götterkult von Leuten wie Rosenberg und Himmler, und er blieb bis an sein Lebensende ein Mitglied der katholischen Kirche – aus taktischen Gründen, wie er immer wieder versicherte. Doch er hatte vor, nach dem Krieg mit den Kirchen endgültig abzurechnen, und fantasierte in seinen Tischgesprächen davon, den Papst auf dem Petersplatz aufzuhängen.

Hitler wusste sehr wohl, dass die Botschaft Christi seiner Ideologie fundamental entgegengesetzt war, und deshalb reagierte er umso hysterischer, wenn Leute wie Martin Niemöller oder Dietrich Bonhoeffer klar und deutlich aussprachen, dass man nicht zugleich Christ und Nazi sein konnte – trotz aller Versuche, ein deutsches Christentum mit Jesus als einer Art "Ehrenarier" im Zentrum zu begründen.

Hitler hätte sich deshalb für Deutschland eigentlich eine ganz andere Religion gewünscht, wie Albert Speer in seinen „Erinnerungen“ berichtet (Seite 109f der Taschenbuchausgabe):

Wie Hitler sich seine Staatskirche vorstellte, konnte man aus einer von ihm oft wiedergegebenen Erzählung einer Delegation vornehmer Araber entnehmen: Als die Mohammedaner, so hatten die Besucher erklärt, im achten Jahrhundert über Frankreich nach Mitteleuropa vordringen wollten, seien sie in der Schlacht von Poitiers zurückgeschlagen worden. Hätten die Araber diese Schlacht gewonnen, wäre die Welt heute mohammedanisch. Denn sie hätten damit den germanischen Völkern eine Religion aufgenötigt, die durch ihre Lehre: den Glauben mit dem Schwert zu verbreiten und alle Völker diesem Glauben zu unterjochen, den Germanen wie auf den Leib geschrieben sei. Infolge ihrer rassischen Unterlegenheit hätten sich die Eroberer auf die Dauer nicht gegen die in der raueren Natur des Landes aufgewachsenen und kräftigeren Einwohner halten können, so dass schließlich nicht die Araber, sondern die mohammedanisierten Germanen an der Spitze dieses Weltreichs gestanden hätten.
Hitler pflegte diese Erzählung mit der Betrachtung zu schließen: „Wir haben eben überhaupt das Unglück, eine falsche Religion zu besitzen. Warum haben wir nicht die der Japaner, die das Opfer für das Vaterland als das Höchste ansieht? Auch die mohammedanische Religion wäre für uns viel geeigneter als ausgerechnet das Christentum mit seiner schlappen Duldsamkeit.“ 

Andererseits wären Bier und Schweinefleisch dann auch nicht mehr erlaubt gewesen – so bemerkt der US-Journalist George Packer, dem ich den Hinweis auf diese Stelle verdanke.

Dieses kontrafaktische historische Gedankenspiel beweist allerdings auch, wie klischeehaft und oberflächlich das Denken Hitlers war. Er sah nur die christliche Botschaft von Mitleid und Barmherzigkeit, die ihm zutiefst zuwider war. Aber er begriff nicht, dass es vielleicht kein Zufall war, dass die bis dahin überall siegreichen Araber bei Poitiers ausgerechnet von christlichen Germanen zurückgeschlagen wurden. Und er sah nicht, dass erst die Annahme des christlichen Glaubens und die kirchliche Organisation, die mit ihm einzog, die germanischen Völker befähigte, Reiche zu gründen die längere Zeit bestanden - ziemlich genau 1000 Jahre im Falle des Heilig-Römischen Reichs Deutscher Nation.

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