Donnerstag, 29. Oktober 2009

Nicht jeder Kojote ist Johnny Cash

Eine 19 Jahre alte hoffnungsvolle kanadische Folksängerin ist von  Kojoten getötet worden. Da Kojoten normalerweise selten Menschen anfallen, war möglicherweise Unvorsicht im Spiel. Vielleicht ist Taylor Mitchell ein spätes Opfer von Carlos Castaneda. Dieser vor 30-40 Jahren viel gelesene Schriftsteller berichtet in seinen Büchern von Grenzerfahrungen, die er - oft im Rausch der Kaktusdroge Peyotl - unter Anleitung eines indianischen Schamanen namens Don Juan gemacht hat. Manchmal erscheint dieser Zauberer in der Gestalt eines Kojoten. Zwar ist Castaneda heute fast vergessen, aber kanadische Folksängerinnen mit einer  Sehnsucht nach der Hippiezeit sind genau die Sorte Frauen, die ihn wiederentdecken könnten.

Vielleicht haben aber auch die Simpsons die arme junge Frau auf dem Gewissen. In der 1997 gedrehten Folge "El Viaje Misterioso de Nostro Jomer (sic!)" -  einem weiteren kojotenverharmlosenden Werk - geht Homer auf einen psychedelischen Trip, nachdem er eine ultrascharfe guatemaltekische Chilischote gegessen hat. Er hat optische und akustische Visionen, und schließlich erscheint ihm ein roter sprechender Kojote, der sich Homer als sein spiritueller Führe vorstellt und ihm rät, seinen Seelenpartner zu suchen (hier ein Bild, ein Video gibt es leider nicht im Netz). Im US-Original der TV-Serie wird der Kojote gesprochen von Johnny Cash, was ihm natürlich große Autorität verleiht. Wie schon der spanische Titel andeutet, ist diese "Simpsons"-Folge natürlich eine Parodie auf den in Peru geborenen Castaneda, dessen Bücher der 1961 (im gleichen Jahr wie ich) geborene Drehbuchautor Ken Keeler offensichtlich kannte. Allerdings verleugnet der Kojote bei den Simpsons nicht seine Natur. Irgendwann knabbert der Kojote an Homers Bein, und als dieser ihn zur Rede stellt, rechtfertigt er sich: "Ich bin trotz allem ein Kojote."

Realistischer ist das Kojotenbild in T. C. Boyles Roman "Americá". Darin werden die kleinen Hunde einer Familie, die in eine Siedlung am Rande der Wildnis gezogen ist, ständig von Kojoten gefressen - ganz egal wie hoch sie ihren Zaun bauen. Ähnliches ist ja vor ein paar Wochen der  Jessica Simpson mit ihrem Schoßhündchen Daisy passiert. Wer es erheiternd findet, dass diese Schauspielerin ausgerechnet Simpson heißt, wird sicher auch zu schätzen wissen, dass die amerikanische Hörbuchfassung von Castanedas "Eine andere Wirklichkeit" ("A Seperate Reality")  von dem Schauspieler Peter Coyote gelesen wird.

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