Samstag, 17. Oktober 2009

Herta Müller schlägt Tokio Hotel

Bisher wollte ich ja nicht glauben, dass die Verleihung des Literaturnobelpreises solchen schwierigen und deprimierenden Autoren wie Cotzee oder jetzt Herta Müller tatsächlich höhere Auflagen beschert. Aber gestern bei Dussmann standen vier Leute mit mir an der Kasse, und zwei davon kauften sich Bücher von Herta Müller.  Das muss ja wohl doch der Nobel-Effekt sein.

Kurz darauf traf ich im Theater einen Bekannten, der bei einer großen deutschen Plattenfirma arbeitet. Der erzählte mir, dass Tokio Hotel nur 11 000 Stück von ihrer neuen CD verkaufen mussten, um auf Platz 1 der deutschen Hitparade zu kommen. Wenn ich meine Herta-Müller-Käufer von der Dussmann-Kasse (2 Stück innerhalb von 10 Minuten) mal auf alle Buchhandlungen Deutschlands hochrechne, muss ich kein Mathe-Genie sein, um zu ahnen, dass Herta Müller letzte Woche mehr Bücher verkauft hat als Tokio Hotel Platten. Und dass obwohl ein Buch soviel kostet wie zwei CDs oder drei Downloads. Diese Tatsache sollte dem immer noch viel zu großen Selbstbewusstsein der Popkultur und ihrer Vertreter eigentlich den endgültigen Ko-Schlag versetzen.

P.S.: Ich bin nicht interessiert an Debatten über die Qualität oder Nichtigkeit von Tokio Hotel.

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